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08.05.2010
Robert Iwanetz Autor: Robert Iwanetz
ri(at)zeitjung.de
Sex mit Monstern
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Thema der Woche

Sex mit Monstern

Porno Comics - Ein Blick hinter
die Kulissen

Gabs schon lange vor dem Hype: Porno Comics in 3D. Ein Blick hinter die Kulissen.
Porno ist längst nicht mehr gemütliches Rein-Raus, und einer filmt dabei. Porno ist riesig, die Branche setzt weltweit 20 Milliarden im Jahr um, und Porno ist diversifiziert. Lesbenszenen gehören seit langem in jedes Standardrepertoire, wirken beinahe zu alltäglich. Die Leute entdecken immer neue Vorlieben wie BDSM (Sex mit Schmerzen), Midgets (Sex mit Kleinwüchsigen) oder sie verabschieden sich gleich ganz von der Realität und stehen auf Porno-Comics – die Fahnenstange scheint unendlich.
 
„Heutzutage sind diese Kategorien schon wieder zu weit“, sagt JAG27, der seinen richtigen Namen nicht preisgeben will. „Wenn dann, wollen die Leute einen Kleinwüchsigen, der von Frauen in Latexkleidern stranguliert wird, die wiederum Sex mit Drachen haben.“ JAG muss es wissen, er arbeitet seit fünfzehn Jahren als Regisseur, Autor und vor allem als Zeichner in der Pornoindustrie. „Um das Interesse der Kunden aufrechtzuerhalten, muss man mittlerweile beinahe verrückt sein. Ohne absolute Spezialisierung geht für uns Produzenten nichts mehr.“
 
Studiert hat JAG eigentlich Psychologie, doch seine Leidenschaft galt schon immer anderen Dingen. Anfangs probiert er sein Glück mit Horror-Geschichten, doch es reicht nicht zum Leben. Also beginnt er Anfang der 90er kleinere Handlungen für Comics zu schreiben, und hat damit Erfolg. Doch nach einer Weile wechselt er die Seiten. „Ich war nicht zufrieden mit der grafischen Darstellung meiner Geschichten“, erklärt JAG. „Außerdem sah ich etwas Großes auf die Branche zukommen, und wollte als einer der Ersten die neuen Möglichkeiten nutzten“. Er meint den Sprung in eine neue Dimension – plastische 3D-Comics.
 
Teure Monster
 
Doch warum überhaupt Comics, wenn es reale Porno-Bilder und Filme gibt? „Wenn jemand auf SciFi- oder Horror-Pornos steht, hat er keine andere Alternative“, erwiedert JAG. Natürlich könne Hollywood problemlos auch solche Monster erschaffen, doch das sei schlichtweg für normale Porno-Produktionen zu teuer. Desweiteren würden die Comics mit jedem Jahr realisitischer und besäßen einen entscheidenen Vorteil. „Pornos können sehr schnell langweilig werden, Comics dagegen erzählen immer auch eine Geschichte“.
 
JAG erklärt, dass sich am besten die Comics mit Inzest- und Monsterthemen verkaufen. Seit 2003 arbeitet er als künstlerischer Leiter für die Website „Crazy 3D World“. Trotz YouPorn und Co. setzt man dort auf Bezahlinhalte. Ein 30 Tage-Zugang kostet stolze 40 US-Dollar. „In letzter Zeit hatten wir ernsthafte Probleme mit Raubkopien, weshalb wir gezwungen waren kontinuirliche unsere Preise zu erhöhen, um die Kosten zu decken.“ Trotzdem will er die Entwicklungen im Internet nicht verteufeln.
 
„Das Internet hat die Porno-Industrie persönlicher gemacht“. Früher hätten kleinere Unternehmen kaum eine Chance gehabt. Magazine und Videos seien auf den Massengeschmack geeicht gewesen. Nun könne man sich seine Inhalte aussuchen, zum Teil sogar die Darsteller. „Dadurch sind Mittelsmänner überflüssig geworden“. JAG hofft, dass die Kriminalität im Business dadurch langfristig zurückgeht, und die Porno-Industrie gesellschaftlich anerkannt wird.
 
Pornos überall
 
Befürchtungen, dass solche Entwicklungen zu einer sexbessenen Gesellschaft führen, hält er indes für übertrieben. „Das Einzige was sich im Vergleich zu früher geändert hat, ist die erhöhte Verfügbarkeit von Pornographie“. Auch sieht er keine Tendenz dazu, dass sich die Perversität der Menschen gesteigert habe. „Uns langweilen einfach auf Dauer die gleichen Dinge, deswegen wollen wir immer neue Sachen“.
 
Fragt man ihn, ob fünfzehn Jahre in dem Business seine eigene Sexualität verändert haben, offenbart sich die Normalität in JAG’s Leben. „Es ist ein großes Missverständnis zu glauben, dass Menschen in der Porno-Industrie den ganzen Tag Gruppensex haben und Drogen nehmen“. Viel eher sei es ein Job wie andere auch. Seine Arbeit als Regisseur für reale Produktionen beschreibt er weder als erregend noch beschämend. „Ich musste die ganze Zeit an technische Aspekte denken. Hab ich genug Licht? Ist die Kameraeinstellung richtig? Sind die Mikros auch nicht zu sehen? Solche Dinge.“
 
Einzig sein Verhältnis zur nackten Haut hat sich gewandelt. „Nach so vielen Jahren fühle ich mich eher wie ein Arzt. Nacktheit ist zur Alltäglichkeit geworden“. Genauso wie das Zeichnen von dreidimensionalen Porno-Comics. „Ich stehe früh auf, checke meine Mails und beginne dann mit der Arbeit“. Anschließend verbringt er Zeit mit seiner Familie. Woher die schmutzigen Einfälle seiner Geschichten kommen, kann er sich selbst nicht richtig erklären.
 
 
Thema der Woche: Porno. Lest dazu auch: Porno 2.0 und "Nackte Haut und fremde Schwänze"

Bildquelle: JAG27

 

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