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Berlin: Wir brauchen Liebe, keinen Hass

Der Anschlag in Berlin bringt altbekannte Reflexe hervor. Das ist so ziemlich das Gegenteil der Weihnachtsbotschaft.

Ich bin ein Berliner. Diesen Satz sage ich als Münchner heute ganz bewusst und ich sage ihn mit Stolz. Es sind die Worte des US-Präsidenten John F. Kennedy, die er einst in der geteilten Stadt gesprochen hatte. Es sind Worte, mit denen er die Freiheit und den Wert des freien, selbstbestimmten Lebens feierte. Es sind die Worte eines Mannes, der bei einem Anschlag sein Leben verlor. Seit gestern Abend haben durch einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin zwölf Menschen ihr Leben verloren. Vermutlich, weil sie frei leben wollten und ihren Abend mit der Familie, mit Freunden, Kollegen oder mit Menschen verbringen wollten, die sie gerade erst auf dem Weihnachtsmarkt kennengelernt hatten.

 

Trauriges Déja Vu

 

Man kennt die Aufrufe der Behörden mittlerweile. Die Polizei bittet darum, Aufnahmen nicht ins Netz, sondern ihr zur Ermittlung zur Verfügung zu stellen. Man solle sich jetzt keine Sorgen machen, die Gefährdungslage bleibe jedoch weiterhin abstrakt. Aus Pietätsgründen werden die Weihnachtsmärkte in Berlin am Tag nach dem Anschlag erst einmal geschlossen bleiben. Die Innenminister von Bund und Land Berlin ordnen Trauerbeflaggung an.

Man kennt mittlerweile auch die Reflexe, die ausgelöst werden nach so einer Tat. Die AfD zeigt einmal mehr ihre menschenverachtende Fratze, wenn sie versucht, den Gewaltakt politisch für sich zu instrumentalisieren. Es wird munter beschimpft, Gutmenschen gegen Populisten, das Nummerngirl gibt den Ring frei für die nächste Runde. Es werden Ergebnisse verkündet, die nichts als Hysterie sind und keine Fakten darstellen. Ob der gefasste Verdächtige tatsächlich auch der Täter ist, wissen große Teile des Netzes mal wieder vor der Generalbundesanwaltschaft und dem Bundeskriminalamt, die allen Spuren nachgehen, Beweise sichern und den Verdächtigen befragen. Am Nachmittag steht auch noch nicht fest, ob es sich überhaupt um einen islamistischen Anschlag handelt. Natürlich ist das angesichts des Szenarios sehr naheliegend, aber: es steht noch nicht fest.

 

Der Tatort ist neu, der Täter ist neu. Die Tat bleibt gleich.

 

Jetzt ist also ein Anschlag auf einem Weihnachtsmarkt passiert. Davor hatten die Behörden immer wieder gewarnt und es war wohl auch allen klar, dass dies jederzeit passieren könnte. Man muss jetzt auch kritisch fragen, ob man das hätte verhindern können. Hätte man denn nicht Barrieren aufstellen können, damit sich Nizza nicht wiederholt? Scheinbar soll das erst jetzt geschehen in vielen Kommunen. Darin liegt aber auch die Crux, dass nämlich die Kommunen selbst dafür verantwortlich sind und die Sicherheitsbehörden nicht einen zentralen Ansprechpartner haben, mit dem sie ein bundesweites Konzept ausarbeiten könnten. Außerdem muss eine Gasse für Rettungsfahrzeuge frei bleiben, wenn es schon so eng zugeht wie auf einem Weihnachtsmarkt.

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