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Störfaktor Frau: Über männliche Orte und weibliche Besucher

“Mannsweib“ ist einer der Begriffe, mit dem frau auf keinen Fall konfrontiert werden will. Viel zu oft fällt diese Bezeichnung aufgrund von Äußerlichkeiten und Freizeitgestaltung. Über männliche Orte und deren weibliche Besucher.

Frauenquote! Gleichberechtigung! Emanzipation! Begriffe, welche in ihrem Stellenwert mittlerweile der „Liberté, égalité, fraternité“-Leitparole des französischen Volkes gleichkommen. Ganz sicher soll an dieser Stelle nicht die Feministinnenkeule geschwungen und in die immer selben Kerben geschlagen werden. Zugegeben: Zumindest in unserem Land hat die Frauenbewegung über die vergangenen Jahrhunderte Sensationelles erreicht. Unser Dank gilt Alice Schwarzer und Co.!

Dennoch gibt es nach wie vor Lokalitäten, an denen Mädels alienhaften Phänomenen gleichkommen und offensichtlich missverständliche Absichten nach außen verKÖRPERn. Zum letzten Mal: Nein, Frauen sind nicht zwangsläufig auf der verzweifelten Suche nach Steigerung des Selbstwertgefühls durch schlechte Anmachen, nur weil sie in Männer-Territorien eindringen.

 

Frauen? Aber bitte nur als Cheerleader

 

Ein naheliegendes Beispiel – außerhalb der Vorstände und Aufsichtsräte großer DAX-Konzerne – ist wohl das klassische Fußballstadion: Bier, Schweiß, noch mehr Bier und lautes Gegröle! Klingt nicht unbedingt nach dem natürlichen Habitat einer Dame. Vor rund einem Jahr lag der Anteil weiblicher Stadionbesucher dennoch bei rund 30%. Fakt ist aber auch: Betritt eine Frau die Tribüne, beginnt die eindeutige Systematisierung im männlichen Gehirn. Schritt 1: Attraktiv? Schritt 2: Wenn ja – was macht die hier?

Im Gespräch mit Dauerkartenbesitzern verschiedener Vereine geben die Jungs vermehrt zu, weibliche Stadionbesucher lediglich als Anhängsel der anwesenden Männer wahrzunehmen. Dies gilt vor allem für die attraktiven Weibchen. Wie wir alle wissen: Männer wünschen sich eine gute Mischung aus Lady und Kumpeltyp zur Partnerin. Aber zu sehr Kumpel muss dann doch nicht sein. „Während der Halbzeit, auf dem Spielfeld, mit kurzem Röckchen und Pompons in der Hand – da biste als Frau schon ganz gut aufgehoben“, dass die zitierte Quelle anonym bleiben möchte, muss wohl nicht explizit gesagt werden.

 

Unter uns Männern

 

Ähnliche Rahmenbedingungen und ein ähnliches Klientel an männlichen Besuchern sind auf gitarrenlastigen Konzerten vorzufinden. Mit Bierbecher in der Hand und unförmigem Bandshirt am Leib, stehen die Chancen entweder als Klischee-Lesbe oder als verbitterter Groupie abgetan zu werden, bei 50/50. Die erste Frage, die sich hier jeder Leserin aufdrängt: Wieso ist das Shirt unförmig?

Guter Punkt! Im Selbstversuch musste festgestellt werden, dass viele Merchandise-Verkäufer auf eben diesen Konzerten mit der Anfrage nach einem Frauenmodell in Größe XS oder S völlig überfordert sind. „Girl Shirt? One Size!“ Meistens bleibt einem dann nichts anderes übrig, als das Miniaturzelt kopfschüttelnd entgegenzunehmen. Hier wird deutlich: Mädchen in unterschiedlichen Ausführungen werden gar nicht erst erwartet. Tja, nicht ganz überraschend, wenn man Rezensionen von Rock-Platten mit dem Titel „Musik für echte Männer“ überschreibt.

 

Tarantino statt Schweighöfer

 

Nächster Zwischenstopp: Kinokasse. Drei Mädels, die am Ticketschalter anstehen, wollen doch sicherlich den neuen Feel good-Film mit dem süßen Matthias Schweighöfer sehen, oder? Auch dieses Erlebnis geht auf Eigenrecherche zurück. Ganz sicher: Auch Kinoangestellte können sich nicht von der Macht des ersten Eindrucks befreien. Aber das hämische Grinsen und Augenbrauenzucken hätte sich der Pisser nach unserer Tarantino-Reservierung durchaus sparen können. Viel Blut, Gewalt und dreckige Witze – „Viel Spaß Mädels!“.

Und, weil es gerade so naheliegend ist, „schwarzer Humor und Niveaulosigkeiten sind auch Nichts, was Frauen unbedingt gut steht“, wie bereits zuvor zitierter Fußballfan verlauten lässt.

 

„Mein Tanzbereich – dein Tanzbereich“

 

Die Liste der männerdominierten Territorien ist beliebig zu ergänzen: Skateparks, Tattoostudios, Fleischtheken im Supermarkt, Eckkneipen, generell Kneipen, Hörsäle, in denen mechanische, technische oder wirtschaftliche Schwerpunkte gelehrt werden, Autohäuser, Fitnessstudios, Baumärkte, Brauereien, Cockpits (Anteil der weiblichen Piloten: <6%, laut dem Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin), …

Dem nächsten Kerl, der offensichtlich allein durch die IKEA-Dekoabteilung streift, drücke ich ganz ungeniert und ungefragt eine Flasche Prosecco in die Hand. So doch die logische Schlussfolgerung, oder?

 

Frau am Steuer…

 

Liebe Männer: Auch ihr seht mit einer Bierflasche im Ausschnitt eures versifften T-Shirts nicht toll aus. Politisch inkorrekte Witze werden nicht lustiger, indem sie testosterongeschwängert vorgetragen werden. Es ist einfach nur akzeptierter, wenn ihr euch daneben benehmt. Diverse Frauenzeitschriften erklären, wie gern Männer ihre Leidenschaft für Sport und Musik mit ihrer Partnerin teilen wollen. Aber wollt ihr das wirklich? Offensichtlich kommt unser Auftauchen bei Fußballspielen eher einer feindlichen Übernahme gleich.

Auch zukünftig werden Stadion- und Konzertbesuche so verlaufen, dass die wenigen Frauen, die sich bewusst und ohne männlichen Einfluss für die Teilnahme an der Veranstaltung entschieden haben, einander anerkennend zunicken. Quasi wie zwei Busfahrer, welche sich auf Strecke begegnen und das Dilemma des Gegenübers bestens nachvollziehen können. Und um den Kreis zu schließen: Der Anteil der weiblichen Busfahrer in Deutschland beträgt 10%.

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Bildquelle: Cole Hutson/unsplash.de

Kommentare

  1. Oh man, geht’s noch sexistischer?

    Flo Kraut / Antworten

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