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Instagram Stories: Einmal Druck ablassen, bitte

Seit der Veröffentlichung von Instagram Stories sind knapp drei Wochen vergangen. Drei Wochen, die zeigen: Die Leben eurer Freunde sind langweiliger als gedacht.

Dieses Instagram Stories ist eine interessante Sache. Gerade wenn man bedenkt, dass Instagram selbst in den letzten Jahren mehr und mehr fake geworden ist. Immer mehr professionelle Bilder. Immer weniger Schnappschüsse mit dem Handy. Was für Facebook schon lange galt, hat sich auch beim kleinen Bruder durchgesetzt: Die totale Kontrolle über die Außendarstellung des Lebens. Wer die Wahl hat, ein professionelles Foto aus dem Urlaub zu posten, der tut das. Ganz abgesehen davon, dass das Medium einem die zeitliche Flexibilität bietet, den Veröffentlichungszeitpunkt frei zu wählen. So kann man auf einfachste Weise suggerieren, man sei ständig im Urlaub und auf Partys – selbst wenn es nicht so ist.

Das geht bei Stories nicht. Was man erlebt, muss man in selbigem Moment filmen oder fotografieren – und  veröffentlichen. Wenn man an einem Tag also nichts erlebt, hat man auch nichts zum Posten. So einfach ist das.

 

Bei Kim und Lewis geht was – bei dir so?

 

Wenn man Kim Kardashian ist oder Lewis Hamilton, dann reist man ununterbrochen um die Welt, feiert ziemlich viele Partys, befindet sich beinahe täglich an exklusiven Locations, hat Shootings, Empfänge, Sportevents und so weiter. Alles Dinge, die der Otto-Normal-Verbraucher nicht jeden Tag erlebt. Wenn so jemand das echte Instagram Stories – auch Snapchat genannt – nutzt, kann das für Fans eine interessante Sache sein. Man taucht in ein Leben ein, das man niemals führen kann.
Im Gegensatz zu Snapchat nutzen Instagram Stories auch viel häufiger Privatpersonen. Das mag auch an der Logik des Netzwerks liegen. Stories ist eine Funktion, die in das funktionierende System integriert wurde. Ein System, das wie Facebook mindestens zu fünfzig Prozent Kontakte versammelt, die man persönlich kennt.

Und das ist entlarvend. Denn erstens nutzen Leute, von denen man – ihren bisherigen Postings nach zu urteilen – ein wahnsinnig spannendes Leben erwartet, die Funktion sehr selten. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass ihr Leben sooo unfassbar aufregend wohl doch nicht ist. Sonst würden sie es, teilfreudig wie sie sind, sicher öffentlich zeigen. Und die Leute, die zweitens regelmäßig etwas mit Stories posten, entlarven sich als vollkommen langweilig, weil sie auch nichts anderes machen als einkaufen gehen, mal einen Burger essen und an den Badesee fahren. Na, herzlichen Glückwunsch.

 

Doch eher das Leben der Frau Müller von gegenüber

 

Das ist für alle, die private Kontakte auch auf Snapchat hatten, nichts Neues. Auf einer so breiten Basis wie bei Stories sieht man es aber erst in den drei Wochen, die seit der Veröffentlichung der Funktion vergangen sind.

Und auch wenn sie vollkommen überflüssig ist – ein Gutes hat sie: Wir sehen, man kann sich entspannen und zurücklehnen. Die Leute, die man kennt, leben eben doch nicht das Leben einer Kim Kardashian oder eines Lewis Hamilton. Sie leben eher das Leben der Frau Müller von gegenüber. Den sozialen Druck, den Facebook und Co. aufgebaut haben, den lässt Stories jetzt also wieder ab.

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