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„Verkaufst du Drogen?“ – Berliner macht mit Shirts auf Rassismus aufmerksam

Fotograf Isaiah Lopaz hat afro-amerikanische Wurzeln und lebt in Berlin: Seine alltäglichen Begegnungen mit Rassismus macht er jetzt auf T-Shirts sichtbar

Der Afroamerikaner Isaiah Lopaz ist in Los Angeles aufgewachsen und 2007 nach Deutschland gekommen. Jetzt lebt er in Berlin, arbeitet als Fotograf und Künstler. Wenn er in dort an der Ampel oder im Supermarkt steht, passiert es nicht selten, dass er von Wildfremden nach Drogen gefragt wird. Er selbst raucht nicht, nimmt nichts Illegales. Wieso also sollte er danach gefragt werden? Vorurteile. Mal wieder.

Dagegen kann er nichts tun. Vorurteile sitzen in den Köpfen der Menschen. Doch Isaiah möchte das nicht hinnehmen und schreibt so die dreistesten Sprüche, die er sich hat anhören müssen, einfach auf sein Shirt. Für ihn gibt es keinen Zweifel, das alles, was auf seiner Brust steht, in seiner Botschaft absolut fremdenfeindlich ist – und es unbewusst Menschen in unterschiedliche „Rassen“ einteilen will. Es steht da, wo es jeder sehen kann und sich niemand wehren kann, über Rassismus nachzudenken. So möchte er etwas zu der aktuellen Debatte, inwiefern Fremdenfeindlichkeit zu unserer Gesellschaft gehört, beitragen. Seine eigenen Erfahrungen sind da mehr Wert als trockene Theorie. Auch die Frage, ob er aufgrund des früheren Nationalsozialismus in Deutschland derart stark gegen Rassismus vorgeht, spielt eine Rolle in seiner Aktion: Die Tatsache, dass Deutschland erst diese Geschichte passieren musste, um Schwarze und andere Nicht-Weiße mit Respekt zu behandeln, findet er absolut erschreckend.

 

„Du hast keine Kultur, weil du von Sklaven abstammst.“

 

Derartige Aussagen musste Isaiah schon öfter hinnehmen, erzählt er im Interview mit ZEITjUNG.de. Das schlimmste, was er bisher gesagt bekommen hat, sei jedoch nicht das bestimmtes Wort, das mit N beginnt – sondern die Aussage eines Mädchen, dass sie noch nie mit einem Schwarzen geschlafen habe. Die Aussage per se ist vielleicht neutral, ihre Intention dahinter allerdings nicht. Sie formulierte es so, als sei dieser Körper anders als der von hellhäutigen. Wie ein fremdes Land, das man besuchen möchte, ein neuer Stempel im Pass. Das war für Isaiah am verletzendsten, da ihm dadurch immer wieder bewusst gemacht wird, dass er nicht genauso gesehen wird wie jedes andere menschliche Wesen auch. Es wird nicht verstanden, dass beispielsweise ein asiatisch aussehender Mann chinesische Eltern haben kann, aber trotzdem akzentfrei deutsch spricht. So als sei es für jeden einzelnen unmöglich, fremde Sprachen zu lernen.

„Hört auf so zu tun, als würde es Rassismus in unserem „modernen“ Zeitalter nicht mehr geben!“

 

Bei seinen Shirts geht es nun nicht nur um Feindlichkeit gegenüber Schwarzen, sondern generell gegen Rassismus jeder Art. Rassismus im Alltag, der auch nicht davor Halt macht, dass man beispielsweise ein abgeschlossenes Hochschulstudium in Deutschland erworben hat. Auf seinem Blog himnoir.com veröffentlicht er all seine T-Shirts, die leider nicht käuflich zu erwerben sind. „Und wann gehst du zurück?“, „Auch wenn du schwarz bist, bist du wirklich wunderschön!“ oder „Ich gebe eine Party, kannst du afrikanisches Essen mitbringen?“, steht da auf seinem Oberteil.

„Ich wusste nicht, dass du schwul bist, du bist doch schwarz“ – sogar das hat Isaiah schon einmal gehört. Hat da jemand nicht aufgepasst? Die Hautfarbe ist angeboren? Klar, da kann man nicht auf Männer stehen. Schließt sich aus.

In Zukunft möchte er mit seinen T-Shirts – bisher sind es 22 –  auch andere Projekte betreuen, bei denen Schwarze ihre Erlebnisse erzählen können. Solche, die sich vielleicht auch nicht in Worten äußern. Ein Theaterstück und ein Podcast ist geplant, so die Frankfurter Allgemeine.

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