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Oh du liebe Langeweile! Von der Kunst des Nichtstuns

Langweilen kann sich jeder, aber erst wer sich bewusst zum Nichtstun entscheidet, beherrscht die hohe Kunst des Müßiggangs.

Nur langweilige Menschen haben Langeweile. Sagt man. Warum? Es fehlt ihnen ganz offenbar an Kreativität, Hobbies, großen Visionen und engen Beziehungen. Sonst wäre ihnen ja schließlich nicht langweilig, oder? Anstatt mit dem Schreibtischstuhl durch den Raum zu rollern, wären sie also damit beschäftigt Dinge zu tun. Spiele ausdenken zum Beispiel, oder joggen gehen, demonstrieren gegen Schrott im Ozean, küssen oder jemandem beim Umzug in den 5. Stock helfen – diese Dinge eben.

Ist nur langweiligen Menschen langweilig?

Das ist natürlich eine Theorie, die man abnicken könnte. Man kann aber auch widersprechen und behaupten: Es ist schon eine Leistung, Langeweile aufkommen zu lassen, obwohl man eigentlich total viel zu tun hätte. Wenn man aber genauer hinsieht, ist Langeweile nur der Mangel an Motivation anzufangen, mit was auch immer. Nicht viel eindrucksvoller ist es, wenn jemand gelangweilt ist, obwohl er etwas tut. Das füttert also Theorie Nummer eins und spricht dafür, dass Gelangweilte gerade einfach nicht ihrer Passion nachgehen oder eben keine haben. Wer noch dazu in einer reizarmen Umgebung wohnt/lebt/arbeitet, die genauso uninspirierend ist wie man selbst, hat natürlich den Jackpot der Tristesse geknackt. Ding, Ding, Ding: Dreimal trübe Tassen.

Die beseelte Schwester der Langeweile: Die Muße

Während wirklich jeder gelangweilt sein kann, ist es schon weitaus schwieriger Muße zu empfinden. Also die bedeutungsschwere Ruhe und Schaffenskraft, die in den Köpfen derer wohnt, die oberflächlich betrachtet zwar gerade nicht viel machen, in der nächsten Sekunde aber die Erkenntnis ihres Lebens haben. Man muss schon großen Geistes sein, extrem hohl oder ein Kind, um den Zustand der Muße hinaufbeschwören zu können. Denn nur wer es schafft, ein wandelndes Vakuum zu sein, ist empfänglich für die feinstofflichen Pläne des Universums. Ja, oder? Wow. Während also das stumpfe Nichtstun der Gelangweilten oft nur das logische Echo über- oder unterlasteter Gemüter ist, ist das süße Nichtstun der Müßiggänger meist nur die Ruhe vor dem Sturm der Großartigkeiten. Man könnte also sagen: Das Nichtstun ist eine Erfindung der Gelangweilten, der Müßiggang die der Kinder, Glückseeligen und Lifestyle-Gurus.

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