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Maskulismus: Männer, die sich unterdrückt fühlen

„Die Feminismusdebatte ist langweilig geworden“, schreibt der Welt-Redakteur Andreas Rosenfelder. „Der Feminismus ist ein Luxusphänomen. Die Männer sind das benachteiligte Geschlecht“, meint wiederum der Journalist und Schrifsteller Michael Klonovsky.

Derartige Thesen „seriöser“ Journalisten erscheinen in letzter Zeit gehäuft in Leitmedien wie der FAZ oder dem Spiegel. Sie deklarieren den Feminismus als ermüdende Thematik, dessen ständige Diskussion mittlerweile allen zum Hals raushängt.

Aussagen, die wohl jeden provozieren, der für ein kleines bisschen Gleichberechtigung plädiert. Doch dieser minimale Unmut kann sich schnell in Entsetzen verwandeln, wenn wir erkennen, wozu solche Veröffentlichungen führen können.

Tatsächlich sind es vor allem die sogenannten Maskulinisten, die sich dadurch mehr und mehr bestätigt sehen, ja sogar angestachelt fühlen, die Zitate eifrig zu teilen. Die gesellschaftlichen Wortführer der Anti-Emanzipation sprechen den selbsternannten Männerrechtlern direkt aus der Seele – und sorgen ganz nebenbei für deren stetigen Wachstum.

 

Maskulismus vs. Feminismus

 

Die Maskulisten sind überzeugt davon, dass wir in einer „Diktatur des Genderismus“ leben, in unserem System werden Männer also systematisch unterdrückt. Dabei begann alles ganz harmlos: Die Bewegung entstand vor knapp 50 Jahren in den USA und wurde von Vätern initiiert, die sich beim Sorge- und Scheidungsrecht benachteiligt fühlten.

Seit den 70ern sind die Männerrechtler auch in Deutschland präsent und organisieren sich überwiegend im Netz. Auf Blogs und Foren wie „weiberplage.de“ tauschen sie sich über ihre antifeministischen Forderungen aus – die Inhalte sind mittlerweile überwiegend propagandistisch und frauenfeindlich: Feministinnen werden zum Beispiel als Kampflesben, Fotzen oder „die Geschlitzten“ bezeichnet.

 

Gegen weiblichen Sexismus

 

Natürlich gibt es auch gemäßigtere Männerrechtler, die sich bewusst von den „Hardcore-Maskulisten“ abgrenzen wollen. Einer von ihnen ist Arno Hoffmann: „Es gibt zwei Themen, die mir persönlich besonders am Herzen liegen: die Benachteiligung von Jungen in der Schule und Männer als Opfer häuslicher Gewalt„, erklärt der Geisteswissenschaftler in einem Interview mit der SZ. Hoffmann betrachtet Feministinnen nicht als Feinde, erachtet es jedoch als unfair, dass nie über weiblichen Sexismus gesprochen wird.

Damit hat er bis zu einem gewissen Grad sicherlich Recht – und doch erscheint es zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht, öffentlich für Männerrechte zu kämpfen. Dass Jungs in Grundschulen überwiegend von Frauen unterrichtet werden und ihre Männlichkeit dadurch nicht gänzlich entfalten können, erscheint neben einer Lohnlücke von 22 Prozent und dem minimalen Anteil von Frauen in Führungspositionen (neun Prozent Bürgermeisterinnen, acht Prozent Tatort-Regisseurinnen) geradezu lächerlich.

Wir brauchen die Abschaffung einer Geschlechter-Vorherrschaft – und dabei ist es absolut egal, welches gerade die Überhand hat. Gleichberechtigung lässt Gesellschaften funktionieren, da brauchen wir uns nur Skandinavien als absolutes Paradebeispiel anzusehen. Es geht nicht nur um die Frauen – es geht um die ganze Gesellschaft. Auf dass Töchter irgendwann all das verwirklichen können, was ihre Väter ihnen wünschen.

 

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Bildquelle: Michael Fertig unter CC 0 Lizenz