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Warum Eifersucht für unsere Beziehungen nicht gut sein kann

Egal, ob intakte Partnerschaft oder nicht: Eifersucht ist ein Gefühl, das der Beziehung immer einen Knacks versetzt. Warum sie Gift für jede Beziehung ist.

Da ist er wieder. Dieser unangenehme, kleine Stich ins Herz, der die Gedanken Amok laufen lässt und die Atemfrequenz dermaßen nach oben schraubt, dass die Kohlendioxidkonzentration im Blut gleich null ist. Hallo Eifersucht, schön, dass du wieder da bist. Wenn die Freundin lachend von den unzähligen Verehrern der letzten Partynacht berichtet oder beim Durchstöbern von Fotos das besoffene Kussbild von deinem Liebsten mit der Ex auftaucht, ist dieses bescheuerte Gefühl auf einmal da. Ohne Vorwarnung, ohne Gnade. Auf Mitlachen hat man bei den Flirt-Szenen, die sich vor dem inneren Auge abspielen, überhaupt keine Lust mehr und das Foto vom Partner und der Ex würde man am liebsten in einem großen Voodoo-Feuer verbrennen.

Eifersucht gehört zu fast jeder Beziehung dazu und sicherlich können wir alle die ein oder andere Eifersuchtsstory erzählen. Das Gefühl, das uns schon in unzähligen Nächten um den Verstand gebracht hat. Wo Liebe ist, da ist auch Eifersucht. Klar, Gen-Y ist eine aufgeklärte, selbstbewusste und unabhängige Generation, in der offene Beziehungen, Polygamie und andere Beziehungstypen praktisch zum guten Ton gehören. Aber auch hier ist Eifersucht Bestandteil.

„Wir meinen, eine selbstbewusste Generation zu sein. Aber so selbstbewusst, wie wir uns auf YouTube und anderen Netzwerken geben, sind wir innerlich meist gar nicht. Deshalb versuchen wir, Sicherheit nicht in uns selbst zu finden, sondern in unserem Partner. Das ist der Anfang der Eifersucht“, sagt Sex Coach Mariah Freya im Interview mit ZEITjUNG. Auch zahlreiche Studien versuchen, uns Sinn und Hintergrund dieses Gefühls zu erklären, aber wenn sich die Eifersucht den Weg in die Synapsen gebahnt hat, können wissenschaftliche Belege nicht mehr helfen. Die Gedanken bleiben irgendwo zwischen „Liebt er sie noch?“ und „Was, wenn sie ihn besser findet als mich?“ stehen.

 

Eifersucht zwischen Vergangenheit und Gegenwart

 

Wie alle Aspekte der Liebe hat auch die Eifersucht mehrere Gesichter. Zwar sind alle Gesichter gleichmaßen hässlich, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass wir der Eifersucht immer wieder in die Augen schauen. „Eifersucht entsteht, weil man mit sich selbst nicht zufrieden ist. Das fehlende Selbstbewusstsein veranlasst dann dazu, übertriebene Angst zu haben, den Partner verlieren zu können. Weil wir unseren Mittelpunkt viel mehr in unserem Partner, als in uns selbst sehen“, erzählt Mariah. Das Gefühl macht vor der Vergangenheit genau so wenig halt wie vor der Zukunft.

Es gibt Eifersucht, die auftaucht, wenn wir uns im Hier und Jetzt bedroht fühlen, aber genauso versetzt uns das Gefühl einen Hieb in die Magengrube, wenn wir an die innigen Momente zwischen unserem Partner und seinen vergangenen Liebschaften denken. Obwohl die Partnerschaft mit dem Ex schon Jahre zurückliegt und der gut aussehende Kommilitone die Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit nicht beeinflussen wird, ist die Eifersucht allgegenwärtig und lauert an jeder Ecke, um dann in den unpassendsten Momenten zuzuschlagen.

Eifersucht beeinflusst unsere Gedanken und Gefühle in alle Richtungen und ja, sie ist ein beschissenes Gefühl – so viel ist sicher. Aber es gibt zwei Seiten und zwei Personen, die bei dieser Thematik beleuchten werden wollen. Eifersucht ist nicht nur für denjenigen beklemmend, der von ihr betroffen ist, sondern vor allem auch für den, der mit der Eifersucht des anderen umgehen muss. Der Grund dafür ist simple und treibt die Person, die gegen die Eifersucht des Partners ankämpft, in den Wahnsinn: In den meisten Fällen ist die Eifersucht tatsächlich vollkommen unbegründet.

Die Verehrer in der Disco waren alle total abturnend und das Kussbild mit der Ex war nur eine Momentaufnahme einer ansonsten schrecklichen Beziehung. Aber weil Eifersucht blind macht, helfen auch lieb gemeinte Überzeugungsversuche nicht mehr. Jede Argumentation, um dem Freund oder der Freundin die Angst zu nehmen, werden gegen die Wand gefahren und enden in uferlosen Diskussionen. Die Eifersucht steht dazwischen, hat ihren Platz im Kopf eingenommen und verteidigt ihn mit allen Mitteln. „Das Gefühl der Eifersucht hat nichts damit zu tun, was in der Beziehung tatsächlich abläuft. Die Beziehung kann super intakt sein, aber durch das kaputte oder fehlende Selbstbewusstsein, ist die Eifersucht trotzdem da“, erläutert Mariah das Problem.

 

Was Eifersucht verändern kann

 

Egal, ob intakte Partnerschaft oder nicht – Eifersucht ist ein Gefühl, das der Beziehung fast immer einen Knacks versetzt. Ein paar Eifersuchts-Aktivisten mögen den Standpunkt vertreten, dass Eifersucht einer Beziehung gut tun kann und dass das Gefühl ein Zeichen der Liebe ist. Das sagt auch David Streit gegenüber Psychologie Heute: „Dem Partner, der abtrünnig zu werden droht, über Eifersucht emotionale Verbindlichkeit zu kommunizieren trägt zum Erhalt der Liebe bei.“ Doch die Argumentation dieses Standpunktes weist Lücken auf: Eifersucht basiert auf der Angst, das was man liebt, verlieren zu können. Ein netter Grundgedanke. Nichtsdestotrotz macht die Eifersucht in vielen Fällen mehr kaputt, als es ein harmloser Flirt es tun könnte. Denn Eifersucht schränkt ein und versucht Grenzen zu ziehen. Wie ein Kuckuck die Eier aus dem Nest wirft, wirft sie das Vertrauen über Bord und ersetzt es durch panische Gedanken an eine getrennte Zukunft oder durch die absurden Gedanken eines Seitensprungs.

Sie kontrolliert die Vorstellung desjenigen, der eifersüchtig ist, aber hat vor allem Folgen für den anderen: Gerade weil wir das Gefühl der Eifersucht wahrscheinlich selbst kennen, versuchen wir es unserem Partner zu nehmen. Wir fangen an, Telefonate mit unserem Ex zu unterlassen oder nicht mehr mit der besten Freundin joggen zu gehen. Ohne dass wir es merken, lassen wir die Eifersucht Einzug halten in unsere Beziehung und geben ihr Raum, sich auszubreiten. Wir verbiegen uns, obwohl es eigentlich das unausgesprochene Ziel einer jeden Partnerschaft, sich selbst treuzubleiben. „In dem Moment, in dem sich einer der Partner in Ketten gelegt fühlt, kann das die Beziehung schädigen. Es gibt Beziehungen, in denen die Partner sich mit der Eifersucht arrangieren oder vorgeben glücklich zu sein. Es stellt aber immer die Frage, ob beide Partner wirklich zufrieden sind, oder ob die Partnerschaft nur aufrecht erhalten wird, weil es der Idealzustand ist, zusammenzubleiben“, sagt Mariah.

Es lässt sich nicht leugnen, dass Eifersucht – wie jeder andere Aspekt einer Beziehung – abhängig ist von den Partnern, die sie führen. Es gibt weniger eifersüchtige Personen und es gibt solche, die vor lauter Eifersucht überhaupt kein Vertrauen mehr fassen können. Dann gibt es Menschen, die sich von der Eifersucht des Partners nicht irritieren lassen und solche, die sich aus Respekt vor den Gefühlen des Partners selbst nicht mehr ernst nehmen. Aber egal, wie die Eifersucht in den einzelnen Beziehungen aussieht, im Endeffekt steht sie immer zwischen den Partnern und schafft eine Distanz, die sich manchmal selbst mit Liebe nicht mehr überwinden lässt. Denn Liebe allein reicht nicht. Es ist Vertrauen, das die Basis schafft, für eine unbeschwerte und glückliche Beziehung. Leider waren Vertrauen und Eifersucht noch nie die besten Freunde.

 

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Bildquelle: Chris Campbell unter CC 0 Lizenz

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