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Frag Joanna! „Squirting: Wie kann ich als Frau ejakulieren?“

Frauen können nicht ejakulieren? Von wegen! Viele haben nur Angst davor, dabei spricht überhaupt nichts dagegen, sich mal gehen zu lassen.

Birds do it, bees do it, even educated fleas do it… Wir Menschen machen es auch, denn mal ehrlich, wir sind alle sexuelle Wesen. Wir können gar nicht anders. Blöderweise kommt uns aber manchmal die von Cole Porter beschriebene Leichtigkeit abhanden, wenn wir mit nackten Tatsachen konfrontiert sind. Plötzlich sind da Unsicherheiten, Untiefen, Situationen; Dinge sind nicht mehr taghell oder nachtschwarz. Oft bewegen wir uns in den grauen, schattigen Zwischenräumen. Und dann? Für Dr. Sommer sind wir zu alt, unsere Freunde wissen auch nicht alles und manches wollen wir sie lieber nicht fragen. Pornos beantworten einige Fragen, können aber auch neue aufwerfen. 

Geht’s dir auch so, ab und an? Wir haben uns Sexualpädagogin Joanna Stein ins Team geholt. Von nun an wird sie in ihrer Serie eure Fragen rund um die schönste Sache der Welt beantworten.

Frage: Hallo Joanna, ich bin jetzt 25 Jahre alt und hatte auch schon mit einigen Männern richtig guten Sex. Mit Orgasmen habe ich keine Probleme, ich bin offen für viele Dinge und probiere wirklich viel aus. Trotzdem würde es mich total reizen, auch einmal das Gefühl vom „Squirting“ zu erleben. Ist ein nur ein Porno-Mythos oder kannst du mir vielleicht erklären, wie ich da am besten rankomme und wie es sich dann anfühlen soll?

Antwort: Ein Orgasmus ist ein Orgasmus ist ein Orgasmus. Das was der Körper dabei macht bleibt grundlegend bei all diesen Empfindungen gleich. Das Gefühl sagt oft was anderes, einige sind lang und bauen sich langsam auf, andere explodieren kurz auf, und … (füge hier eigene Empfindungen ein). Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, die Basis ist trotzdem die gleiche. Unterschiedlich kann allerdings die Herangehensweise sein, mit der man den Orgasmus erreicht. Wir hatten es ja schon vom G-Punkt und dem vaginalen Orgasmus. Und die Klitoris gibt’s ja auch noch. Und dann gibt es da ein paar Extras, die man hinzufügen kann, und dazu zählt das Squirten und die weibliche Ejakulation.

 

Ist „Squirting“ nur ein Mythos?

 

Ähnlich wie beim G-Punkt ranken sich darum viele Mythen, die wissenschaftliche Forschung dazu ist eher mau und widersprüchlich und wie du schon schreibst, die meisten haben ihr Bild von spritzenden Frauen eher aus Pornos. Gemessen an der Anzahl des filmischen Anschauungsmaterials müsste ein riesiges Interesse an dem Thema bestehen, mein Eindruck ist allerdings eher, dass viele Frauen gar nicht wissen, dass sie ejakulieren können oder das Thema zwar auf dem Schirm haben, sich aber, manchmal auch aus Scham – weil vermutete Sauerei, nicht weiter damit auseinander setzen. Du gehörst aber zu denen, die das mal ausprobieren wollen, und das find ich super! Neugier ist ein unglaublich wichtiger Bestandteil für guten Sex. Sie führt dazu, dass wir neue Dinge entdecken, die uns Spaß machen. Gleichzeitig können wir so aber auch besser abstecken, was wir nicht so mögen. Ob du’s gut finden wirst und wie sich das dann anfühlt? Who knows! Aber tasten wir uns mal ran.

Squirting equals female ejaculation. Not. Damit fängt es schon mal an. Der momentan gefundene Konsens verlegt sich darauf, hier zwei verschiedene Prozesse zu sehen, die zwar beide im Rahmen eines Orgasmus ablaufen können, eigentlich aber nichts miteinander zu tun haben. Die weibliche Ejakulation bezeichnet das Austoßen eines Sekrets, das zwar im Harnröhrenbereich gebildet wird, von der Zusammensetzung jedoch eher einer Flüssigkeit gleicht, die Männer in ihrer Prostata bilden und dann Teil des Samenergusses ist. Die dabei beteiligten Drüsen werden daher auch als weibliche Prostata bezeichnet. Beim eigentlichen Squirten wird dagegen Urin abgegeben, was natürlich nur funktioniert, wenn die Blase damit ansatzweise gefüllt ist. Soviel zur Theorie.

 

Keine Angst vor weiblicher Ejakulation

 

Und jetzt zur Praxis. Auf der Suche nach Tipps für die Liste „How to Squirt“, die nicht so ergiebig ist, wenn man mal von filmisch festgehaltenen Umsetzungen absieht, fiel mir ein Artikel ein, den ich vor Jahren mal gelesen habe. Ein Selbstversuch der sprudelnden Lust. Den gibt es hier als Leseempfehlung, weil er einen guten Eindruck davon vermittelt, wie man ran kommt, und wie sich das anfühlt. Schlussendlich verbinden sich hier zwei heiß diskutierte Themen, denn der G-Punkt kommt tatsächlich wieder mit ins Spiel. Indem man diesen stimuliert, regt man die notwendigen Drüsen für die Ejakulation an. Dabei stellt sich dann meistens ein Gefühl ein, dass einem suggeriert, man müsse ganz dringend mal pinkeln gehen. Wenn man dann nicht aufs Klo geht, diesem Gefühl aber trotzdem nachgibt, kann Flüssigkeit beim Orgasmus austreten. Die kann, muss aber wie oben schon erwähnt nicht, Ejakulat sein. Eigentlich ja auch egal, solange sich das alles gut anfühlt.

Weil manchmal gar nicht so viel Flüssigkeit kommt, ist es im Übrigen durchaus möglich, dass vielen Frauen nicht auffällt, dass sie ejakuliert haben. Vielleicht wundern sie sich über mehr Feuchtigkeit, die das ganze Empfinden möglicher Weise intensiviert, denken aber nicht weiter drüber nach. Und eigentlich ist das auch ok so. Soll ja Spaß machen und dabei ist Denken nicht besonders hilfreich. Wer mag probiert’s aus, wer nicht mag, der lässt es bleiben. Solange der Sex gut ist, machen die paar Tropfen wahrscheinlich keinen großen Unterschied.

Wichtig ist dabei dann noch, dass man sich locker macht von der Angst, das jeweilige Gegenüber beim Sex anzupinkeln. Selbst wenn das technisch manchmal so sein mag, da wird trotzdem einfach nur eine weitere Körperflüssigkeit freigesetzt. Notfalls wechselt man halt das Bettlaken und geht duschen. Wenn es um Sperma oder Scheidenflüssigkeit geht, macht da ja auch keiner einen Aufstand. Sex ist keine saubere Angelegenheit und das muss er auch gar nicht sein.

In diesem Sinne wünsch ich dir ne schöne Sauerei, die deinen sexuellen Erfahrungshorizont erweitert!

 

Über Joanna:

Joanna hat die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen, aber während sie sich im Studium eigentlich mit der Theorie von Erziehung und Bildung hätte auseinander setzen sollen, hat sie sich lieber mit Gender Studies rumgeschlagen. Nach der Uni hat sie dieses Thema zum Beruf gemacht und arbeitet nun seit 5 Jahren als Sexualpädagogin bei einer Aidsberatungsstelle. Bald wird sie Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, aber der Sex lässt sie nicht los.

Was sie in Bezug auf Sex gut findet: Alles geht, solange alle Beteiligten okay damit sind.

Außerdem: Wild sein und Dinge ausprobieren.

Was sie nicht so geil findet, wenn’s um Sex geht: Wenn Menschen, die sich abseits des sexuellen Mainstreams bewegen, das nicht in gleichem Maße ausleben können, weil unsere verdammte heteronormative Gesellschaft das nicht zulässt.

Außerdem: Langweilige Routinen.

Sexpositionen und -fetische, STIs und sexuelle Gesundheit, Verhütung, Körpergefühl, sexuelle Identität und Orientierung – Hau raus! Frag, was du schon immer wissen wolltest, oder hol dir den Rat den du jetzt grade dringend brauchst. Deine Fragen gerne an chefredaktion@zeitjung.de oder gleich hier als Kommentar! Alle Mails werden natürlich streng vertraulich gehandhabt.

Lust auf mehr Sex? Alle Kolumnen von Joanna findest du hier!

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