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Studie: Warum Teenies eine hohe Risikobereitschaft haben

Was treibt uns dazu, in unserer Jugend so risikofreudig Scheiße zu bauen? Ist es die Biologie oder sind es unsere viel zu coolen Freunde?

Ohh ja, die Teenie-Zeiten sind berüchtigt. In ihnen sind wir besonders leichtsinnig und trotzten vor Selbstvertrauen. Wir bleiben bis 5 Uhr auf der Party, obwohl wir am nächsten Tag 10 Stunden ackern müssen, laufen betrunken durch die Straßen und pöbeln vorbeifahrende Autos an, sind aufmüpfig und diskutieren bis zum bitteren Ende mit unseren Eltern. Viele schimpfen über diese Phase, dabei bleibt es doch meistens bei eher undramatischen Spielereien.

 

Das bisschen Zickerei ist ganz natürlich

 

Die gängige Meinung über die Risikobereitschaft in unserer Jugend ist vermutlich, dass es nun mal in unserer Natur liegt. Die Kollegen von spektrum.de haben das Phänomen unter die Lupe genommen. Bei Hirnscans wollen Forscher herausgefunden haben, dass unser Gehirn in dieser Zeit umfassend umgebaut wird. Laut der New Yorker Psychobiologin BJ Casey, kommt es in der Pubertät zu einem Ungleichgewicht im Gehirn. Für unser Belohnungs- und Hochgefühl ist das limbische System verantwortlich. Dieses schnellt in der Entwicklung den Kontrollinstanzen voraus. Der präfrontale Kortex, der das kontrollierte Gegengewicht zum limbischen System darstellt, entwickelt sich langsamer. Was Labortests wissenschaftlich beweisen, können wir im echten Leben erfahren: Wir treffen irrationale Entscheidungen, sind leichtsinnig, trauen uns mehr.

Mit wem wir in dieser Zeit rumhängen, spielt aber auch eine Rolle. FMRT-Studien um Laurence Steinberg haben gezeigt, dass das Belohnungssystem besonders stark ist, wenn wir Anerkennung aus der „Peer Group“ erhalten, schreibt spektrum.de. Als der ganze Freundeskreis geraucht hat, haben wir auch mal an der Zigarette gezogen – und haben uns total gut gefühlt. Hinter der Pubertät steckt laut den Forschern ein biologisches Programm, das auch bei Tieren in der Entwicklungsphase beobachtet werden kann. So ganz einig sind sich die Forscher aber nicht. Zur Diskussions steht, wie viel Biologie in der Risikobereitschaft steckt und wie viel auf die Gesellschaft zurück zu führen ist.

 

Sind wir Marionetten der Biologie?

 

Mike Males, Soziologe am Center von Juvenile ist der Meinung, dass das Phänomen in der Gesellschaft entstehe. Jugendliche sind seiner Meinung nach risikobereiter, wenn sie in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen. Es sind vor allem „Problemkinder“, die in der Jugendphase Schwierigkeiten machen, als Jugendliche, die in guten Eltern-Kind-Beziehungen aufgewachsen sind, schreibt spektrum.de. Grund dafür seien Verhaltensstörungen wie ADHS, die in der frühen Kindheit entstehen.

Das für Emotionen zuständige limbische System ist aber auch von Umwelteinflüssen abhängig, besagt Caseys Theorie. Es stimmt also, dass frühkindliche Erfahrungen Einfluss auf unser späteres Verhalten haben. „Wenn ein Teenager schnell Selbstkontrolle lernt und dadurch nicht verhaltensauffällig oder kriminell wird, ist das wahrscheinlich gesellschaftlich bedingt“, sagt Laurence Steinberg und stimmt der Theorie zu, dass sich biologische und gesellschaftliche Einflüsse vermischen. Letztendlich verstärke aber das Internet das Phänomen der Risikobereitschaft. Es sei voll von Drogen- und Sexorgien und glorifizierten Geschichten, die Jugendliche animieren würden.

 

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Bildquelle: Flickr/ Mateus Lunardi Dutra CC by 2.0

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