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Freundschaftsdienste: Warum es sich lohnt, einen Gefallen zu tun

Große Gefallen schlagen wir oft nicht aus, selbst wenn wir keinen Bock haben. Denn rein egoistisch betrachtet, profitieren wir von unserer eigenen Hilfe.

Für die einen ist es selbstverständlich, für die anderen mehr ein notwendiges Übel: leidige Freundschaftsdienste. Egal, ob es um Umzug, Blumengießen oder Tiere hüten geht – wenn unsere Freunde uns um etwas bitten, fällt es uns schwer, ihnen diese Gefallen auszuschlagen. Dabei wäre es so viel entspannter, den Abend auf der Couch mit einer guten Serie zu verbringen, als nochmal los zu müssen, um die Blumen der Freundin zu pflegen, die sich gerade irgendwo im Süden den leichten Wein zum Fischgericht in einem kleinen Restaurant mit Blick aufs Meer schmecken lässt. Obwohl das alles vor vermeintlicher Ungerechtigkeit nur so schreit und wir außer Urlaubsgrüßen und Bildern vom Strand keine Gegenleistung erwarten können, ziehen wir los, kümmern uns um das geliebte Grün und hoffen, dass es sich von seiner schönsten, blühendsten Seite zeigt, wenn ebendiese Freundin erholt wieder aus ihrem Urlaub zurückkehrt.

Warum schaffen es unsere Freunde immer wieder, dass wir ihnen Gefallen erweisen, obwohl wir als Gegenleistung nicht mehr als ein herzliches „Dankeschön“ erwarten können?

 

Freundschaftsdienste

 

Einerseits liegt unser mehr oder weniger freiwilliges Helfersyndrom daran, dass Nein-Sagen eine Kunst ist, die nicht jeder beherrscht. Vor allem dann nicht, wenn es unsere Freunde sind, die uns um etwas bitten. Andererseits lässt sich unser Verhalten aber auch relativ einfach aus psychologischer Sicht erklären.

Um es mit den Worten des Naturforschers Charles Darwin zu sagen: „Jedermann wird zugestehen, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Wir sehen es in seiner Abneigung gegen Einsamkeit sowie seinen Wunsch nach Gesellschaft über den Rahmen seiner Familie hinaus.“
Wer also nicht vereinsamen möchte und auch ab und zu mit anderen Leuten als den Verwandten Zeit verbringen will, braucht Freunde. Freunde unterstützen sich gegenseitig, das unterscheidet die Beziehung zu Freunden zu sämtlichen anderen zwischenmenschlichen Beziehungen. Und kleine Geschenke, manchmal eben dargebracht in Form von Gefälligkeiten, erhalten bekanntlich die Freundschaft.

 

Selbstlos wie wir

 

Diese Gefälligkeiten haben im besten Fall nicht nur den positiven Effekt, dass unsere Freunde ihren Urlaub nicht mit vollkommen vertrockneten Blumen bezahlen müssen, sondern wirken sich gleich mehrfach positiv auf das freundschaftliche Verhältnis aus:

Eine internationale Studie ermittelte den „World-Giving-Index“– einen Wert, der angibt, wie zufrieden die Bevölkerung eines Landes ist. Ergebnis: Einwohner von Ländern, bei denen die Hilfe für andere einen großen Stellenwert hat, sind glücklicher. Helfen macht folglich glücklich. Kommen wir der Bitte unserer Freunde nach, erweisen wir dem Hilfesuchenden nicht nur einen Gefallen, nein, wir machen uns selbst damit ein bisschen zufriedener. Helfen ist halt doch etwas Schönes. Das liegt auch an unserem Selbstverständnis: Wir sehen uns selbst als gute und hilfsbereite Menschen, und wir wollen diesem Selbstbild gerne treu bleiben. Genau diesem Selbstbild ist es auch geschuldet, dass wir bereit sind, weitere und größere Gefallen zu tun. Hat jemand also einmal  bei uns den „Fuß in der Tür“ wird es immer wahrscheinlicher, dass wir ihr oder ihm weitere Gefallen erweisen. Sonst würden wir unserem Selbstbild widersprechen. Das fanden Forscher der Stanford-Universität heraus.

 

Die Sache mit der Sympathie

 

Allgemein sind wir eher bereit, Menschen einen Gefallen zu erweisen, die wir sympathisch finden. Forscher untersuchten im Jahr 1969 die Auswirkung von Gefälligkeiten auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Ihre Schlussfolgerung: Wir finden Personen, denen wir einen Gefallen tun, automatisch sympathischer. Dahinter steckt das Phänomen der „Kognitiven Dissonanz“: Wenn wir jemandem ohne Gegenleistung helfen, versuchen wir unser Verhalten unbewusst vor uns selbst zu rechtfertigen. Und wie erklärt man sich am besten, dass man jemandem gerade ganz uneigennützig hilft? Mit spontaner Sympathie. In diesen Momenten mögen wir Menschen, denen wir helfen, ein kleines bisschen mehr.

 

Ideale Menschen

 

Freundschaften bestehen aus Geben und Nehmen. Die Freundin, deren Pflanzen du während ihrer Abwesenheit mit Liebe beaufsichtigt hast, wird sich mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit irgendwann revanchieren wollen. Schließlich ist sie dir „einen Gefallen schuldig“. Zwar kannst Du nicht beeinflussen, wann sie das macht… allerdings kann man bei guten Freunden davon ausgehen, dass es tatsächlich irgendwann passieren wird.

Solange Freundschaftsdienste nicht nur einseitig sind und du deine Freizeit ausschließlich damit verplant hast, anderen zu helfen, spricht absolut nichts dagegen. Freunde sind halt nicht nur zum Kuscheln gut. Und irgendwie gibt es uns doch immer ein gutes Gefühl, wenn wir das zufriedene Gesicht der Freundin sehen, die nach dem Urlaub erleichtert feststellt, dass wir auf alles gut aufgepasst haben. Wenn man dann auf das „Dankeschön“ mit „Gern geschehen“ antworten kann, ist das oft schon Gegenleistung genug. Ganz nach dem Bild eines idealen Menschen von Aristoteles: „Der ideale Mensch verspürt Freude, wenn er anderen einen Dienst erweisen kann.“

 

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