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LSD auf der Arbeit: Eine Mini-Dosis für die Kreativität?

Im Rausch einmal vom Bürostuhl durchs Universum zur Kreativität: Wie Microdosing von LSD der neue Hype in der Arbeitswelt geworden ist

Lysergsäurediethylamid. Keine Ahnung, wie man das ausspricht, aber in Zeiten, in denen schneller immer besser ist und Abkürzungen ohnehin an der Tagesordnung sind, kann man auch einfach die Kurzform verwenden, die den Meisten sowieso um einiges bekannter ist: LSD.

Es ist eines der stärksten bekannten Halluzinogene, auch bekannt als die Hippiedroge der 60er und 70er Jahre und ist neuerdings wieder im Kommen. Allerdings fernab vom Hippie-Klischee und dort, wo es einst den größten Hype, aber mit dem Verbot im Jahr 1966 auch den tiefsten Fall hatte: in Kalifornien. Ggenauer gesagt im Silicon Valley, dem bedeutendsten Standort der IT-Industrie und gefühlt mehr Start-Ups als Einwohnern.

 

Wenn Businesstrip eine neue Bedeutung bekommt oder Ein klein bisschen LSD für mich, ein großer Schritt für die Firma

 

LSD hat dort nichts mehr mit freier Liebe, einer Gegenbewegung zum Establishment oder psychedelischen Erfahrungen zu tun. Es geht tatsächlich darum, mit Hilfe der Droge seine – um es branchentypisch auszudrücken – „Performance zu optimieren“. Für Wallstreet-Bänker ist es Kokain, für Bodybuilder Steroide, für Studenten Ritalin und Kreative schwören seit geraumer Zeit auf LSD. Es geht allerdings nicht um die typischen 12-Stunden-Trips, bei denen sich die Pupillen ins Unendliche weiten und man endlich versteht, dass man selbst Gott ist, sondern um das so genannte Microdosing.

Dabei werden nur geringe Mengen, im Idealfall in flüssiger Form als Spray, der halluzinogenen Substanz eingenommen, um keinen richtigen Trip, sondern den genau gegenteiligen Effekt auszulösen: höhere Konzentrationsfähigkeit und die Steigerung der Kreativität. Davon berichten zumindest Anwender, die sich nicht nur auf IT-Startups in Kalifornien beschränken. Das Konzept findet auch schon in der Schweiz anklang, der Heimat des Urvaters des Lysergsäurediethylamid, Albert Hofmann, der die Substanz bereits um 1938 zum ersten Mal herstellte – sich ihrer Wirkung aber erst fünf Jahre später bewusst(seinserweiternd) wurde.

 

Lucy in the Sky with Diamonds

 

Das interessante an LSD ist, dass es kaum wissenschaftliche Studien zur genauen Wirkung gibt und schon gar nicht in Bezug auf Microdosing. Einigermaßen klar ist, dass sich bei einer Einnahme in erster Linie die Wahrnehmung verändert. Alles wird intensiver, egal ob es dabei ums Hören, Sehen oder Tasten geht. Dabei hat man nicht unbedingt echte Halluzinationen, vielmehr beginnt man die Dinge um einen herum anders wahr zu nehmen.

Ein interessanter Fakt ist, dass es im Gegensatz zu fast allen anderen Drogen, von Alkohol über Cannabis bis hin zu den ganz harten Sachen wie Crystal oder Heroin, bei LSD nicht zu psychischer oder körperlicher Abhängigkeit kommt. Umso interessanter, dass sich die aufstrebenden (kreativen) Köpfe im Silicon Valley und anderswo durch ihr Microdosing in eine Art konstruierte Abhängigkeit begeben, die sie eigentlich selbst erschaffen, indem sie die Einnahme zur Gewohnheit machen. Positive Erfahrungen von Konsumenten, über die zum Beispiel im „Rolling Stone“ und einigen anderen Medien berichtet wurde, scheinen den Effekt zu verstärken.

 

LSD als Heilmittel?

 

Auf persönliche Erfahrungsberichte setzt auch der amerikanische Psychologe James Fadiman, der gerne intensivere Forschung betreiben würde, dem aber die Mittel fehlen. Bereits vor 50 Jahren veröffentlichte er seine erste und bahnbrechende Studie zum Thema. Es ging nicht nur um die Wirkung im Allgemeinen, sondern den Zusammenhang von der Einnahme von LSD und psychotherapeutischen Maßnahmen – besonders in der Problembewältigung. Die Ergebnisse waren erstaunlich positiv und besagen, dass Microdosing angeblich nicht nur zu besserer Konzentration führen, sondern auch bei chronischen Kopfschmerzen, Angstzuständen und sogar Depressionen helfen. So wurde LSD in den 50er Jahren auch als Mittel gegen Alkoholsucht getestet – mit einer erstaunlich hohen Erfolgsquote.

Das Wissen über die Wirkung von Microdosing beschränkt sich bisher leider nur auf die Erfahrungsberichte. James Fadiman, der sich selbst als „bekanntesten und gleichzeitig unbekanntesten Microdosing-Wissenschaftler der Welt“ bezeichnet, sammelt sie in einer Art Feldstudie. Damit ist er aber bisher allein auf weiter Flur und hofft darauf, dass es bald zu klassischen wissenschaftlichen Studien kommen wird, da er den Einsatz von LSD durchaus als mögliche medizinische Behandlungsmethode sieht.

Was auch immer mögliche wissenschaftliche Studien ans Licht bringen mögen – es ist und bleibt befremdlich, dass es junge Menschen für erstrebenswert halten, sich selbst ständig optimieren zu müssen und dabei immer wieder auf chemische und vermeintlich Erfolg versprechende Substanzen zurückgreifen. Vor allem Substanzen, deren Langzeitwirkungen nie wirklich erforscht wurden. Vielleicht ist das Leben aber auch zu kurz für mögliche Langzeitwirkungen und immerhin sagt Wikipedia, dass Spinnen auf LSD viel gleichmäßigere Netze bauen. Wenn das mal kein Argument ist.

Zum Abschluss ein paar Impressionen dieser vermeintlich so bewusstseinserweiternden Welt:

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