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Nach dem Bachelor folgt der Master – oder auch nicht

Bologna wollte, dass nur der Elite der Master offen steht – falsch gedacht, denn 77 Prozent der Bachelorstudenten hängen den Master dran. Die Folge: Wettkämpfe um die wenigen Plätze.

Gehört man nicht zu den glücklichen Besitzern eines 1,0-Abiturs rückt das Thema mit der Wunsch-Uni spätestens nach dem Einblick in die NC-Werte der vergangenen Jahre vollkommen in den Hintergrund. Naive Gedanken wie „Das Abitur eröffnet mir jegliche berufliche Möglichkeiten“ sind schlagartig verflogen. Denn schmückt man sich nur mit einem durchschnittlichen Zweikommairgendwas-Abitur, ist man heutzutage schon überglücklich, wenn sich überhaupt eine Uni erbarmt, dem ach so schlechten Abiturienten einen Studienplatz zu gewährleisten. Haben einem Wartesemester, Nachrückverfahren oder Losverfahren dann doch den Traum-Studienplatz beschert, starten wir mit freudiger Erwartung unsere akademische Karriere. Nach sechs, naja sagen wir lieber sieben oder acht Semestern voller Credit Points-Jagd ist es dann auch schon vorbei mit der wilden Studenten-Zeit. Ach ne, zum Glück gibt es ja noch den Master, oder etwa doch nicht?

 

77 Prozent entscheiden sich für einen Master

 

Was fange ich nur mit meinem hart erkämpften Akademiker-Titel an? Jetzt schon arbeiten – oder doch noch der Uni treu bleiben? Die Mehrheit entscheidet sich dafür, dem rauen Arbeitsalltag noch ein Weilchen den Rücken zu kehren und setzt den Master oben drauf. Ganzen 77 Prozent ist der Bachelorabschluss an einer Universität nicht genug. Doch geht das eigentlich so problemlos, sein Studium noch ein bisschen in die Länge zu ziehen? Oder muss man erneut zu den Besten gehören, um den Masterplatz seiner Träume zu erlangen? Die Antwort ist leider ja. Denn während die Initiatoren der Bologna-Reform 1999 beschlossen haben, dass sechs Semester Studium völlig ausreichen sollten, sieht das, wie die Zahlen beweisen, der Großteil von uns Studenten scheinbar anders.

Für die Einführung dieser Reform gab es klare Gründe: Der Langzeitstudent sollte verschwinden, eine internationalere Ausrichtung sollte erzielt und die Berufsqualifizierung verbessert werden. Soweit ganz gute Gedanken, allerdings scheitert es an einem Punkt ganz gewaltig: Der Master ist nur für die Top-Absolventen gedacht. Doch wie so oft stimmen Realität und Theorie wenig überein, denn wenn 77 Prozent einen Master drauflegen, kann sich nicht nur die Elite zu diesem Schritt entschlossen haben. Diese Tatsache hat leider triftige Folgen für diejenigen unter uns, die sich mal wieder nur als „Durchschnittsabsolventen“ betiteln dürfen. Kein sehr guter Bachelor kann dann ganz schnell schon mal ein vorzeitiges Aus der eigenen Uni-Karriere bedeuten. Berechtigt wird dieses System immer wieder kritisiert: „Das Hechelstudium habe die Idee des wissenschaftlichen Studium ins Negative verkehren lassen“, sagt die Professorengewerkschaft DHV gegenüber ZEIT Online.

 

Absolventen der Top-Unis sind die Verlierer im Masterwettkampf

 

Zwar bauen die Universitäten ihre Masterplatz-Kapazitäten von Jahr zu Jahr immer weiter aus, wie studis-online berichtet, jedoch eben auch die Anzahl ihrer Bachelorplätze – damit ist wohl niemandem geholfen. Der Stress nimmt also kein Ende und der Konkurrenzkampf um die heißbegehrten Studienplätze geht nach dem Bachelor-Abschluss weiter. Schon 2010 berichtete das Handelsblatt, dass der Top-Uni-Abschluss ein Nachteil sein kann. Gerade in den Wirtschaftswissenschaften sei es in unserem System sinnvoller, an einer weniger renommierten Uni seinen Bachelor zu machen, denn dort hätten die Absolventen bessere Noten. Das ist es, was in erster Linie zählt für den Masterplatz: Die Abschlussnote des Bachelors. Zu verdanken haben wir das dem deutschen „Numerus Clausus“. Dass sich an diesem Zustand bis heute nicht wirklich etwas verändert hat, beweist die Realität. Die meisten meiner Freunde, die sich durch die harten, anspruchsvollen Klausuren der Top-Fakultäten gerade eben so durchquälen, wissen jetzt schon, dass es nicht reichen wird für den Master an dieser Elite-Uni. Die hart umkämpften Masterplätze ergattern die von den weniger anspruchsvollen Unis – frustrierend, aber leider immer noch Realität.

 

Keine zeitgleichen Zulassungsbescheide machen uns das Leben schwer

 

Hinzu kommt, dass die Universitäten ihre Zulassungsbescheide zu den unterschiedlichsten Zeitpunkten versenden: Während man den ersten schon vor zwei Monaten erhalten hat, ist das Bewerbungsverfahren der anderen Uni noch nicht einmal abgeschlossen. Problem bei der ganzen Sache ist, dass man den Platz innerhalb einer bestimmten Frist annehmen muss, ansonsten verfällt der Anspruch auf diesen. Tja ,was macht man nun? Man geht auf Nummer Sicher und immatrikuliert sich einfach mal, schließlich will man am Ende nicht ganz ohne Platz dastehen. Kommt die nächste Zulassung, wird sich schnell wieder exmatrikuliert und bei der „besseren“ Uni immatrikuliert. Das Spielchen endet erst, wenn auch bei dem letzten Nachrückverfahren noch kein positiver Bescheid der Wunsch-Uni eingetrudelt ist. Schön und gut das Ganze, nur nehmen wir mit jeder Immatrikulation einem anderen Studenten den Platz weg. Es könnte so viel einfacher sein, wenn sich die Universitäten ein bisschen besser absprechen würde – uns bleibt leider nichts anderes übrig, als sich dem System zu beugen. Traurig irgendwie, wenn am Ende aufgrund von uneinheitlichen Strukturen manche Studienplätze sogar unbesetzt bleiben.

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