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Der ewige Konflikt: Mehr Geld oder mehr Freizeit?

Sechsstündige Arbeitstage: Schweden hat es ausprobiert – mit einem positiven Ergebnis. Wir müssen uns allerdings weiterhin entscheiden: Geld oder Freizeit?

Wissenschaftler sind schon lange fest davon überzeugt, dass 40 oder sogar 60 Arbeitsstunden in der Woche ungesund sein können. Studien belegen sogar, dass sich der Mensch nur vier bis fünf Stunden am Tag effektiv konzentrieren kann. All diese Fakten sind auch an der schwedischen Politik nicht gänzlich vorbeigegangen. Das Königreich ist besonders bekannt für ein sorgloses Leben, Wohlstand und Gerechtigkeit. Dies gilt auch für den Arbeitsbereich. Getreu diesem Motto machten die Einwohner Göteborgs einen Selbstversuch unter Fulltime-Arbeitstieren: Der Test der 30-Stunden Woche. Sechs Stunden arbeiten für volles Gehalt scheint wie ein Traum – wissenschaftlich und rein körperlich gesehen. Bei uns in Deutschland stehen die Chancen für ein solches Modell allerdings noch sehr schlecht. Wir müssen uns also weiterhin die Frage stellen: Wollen wir mehr Freizeit oder mehr Geld?

 

Wie viel Zeit ist uns das Geld wert?

 

Unsere Generation steht ständig zwischen den Stühlen: Entweder wir powern 40 Stunden pro Woche durch, kassieren dabei einen satten Stundenlohn und sind letztlich zu geizig, etwas von diesem hart erarbeiteten Geld auszugeben, oder wir arbeiten mickrige 20 Stunden die Woche, verdienen unseren Mindestlohn und genießen unsere wohlverdiente Freizeit, während wir weiterhin nebenbei Papa auf der Tasche liegen. Letztlich müssen wir uns immer für eines dieser Modelle entscheiden: Mehr Geld, weniger Freizeit oder weniger Geld und dafür mehr Freizeit. Selbstverständlich wollen und fordern wir vieles: Wir würden gerne so viel verdienen, dass wir uns die eigene Wohnung leisten können. Nebenbei soll das Studium aber nicht zu kurz kommen, damit wir später einen Job ausfindig machen, der uns gänzlich erfüllt. Aber was ist das Studieren ohne eine feierwütiges Studentenleben? Das soll hier natürlich auch nicht auf der Strecke bleiben. Wir wollen leben, ab und an mal freie Tage haben und auch einfach mal unbedacht feiern und shoppen gehen, ohne dabei jeden Cent zählen zu müssen. Hier kommt der Ratschlag jeder Eltern: „Du musst Abstriche machen, mein Kind. Man kann im Leben schließlich nicht alles haben.“ – Ja Mama, ich weiß.

 

Aus „Was ist uns wichtig“ wird „Was ist uns möglich“?

 

Als Teil der Gen-Y ist es gar nicht so einfach, sich für oder gegen eines dieser Modelle zu entscheiden. Die Frage, die wir thematisch hier einfügen müssten, sollte wohl eher lauten: „Was ist uns möglich: Geld oder Freizeit?“ Tatsächlich ist es ziemlich schwer, zeitaufwendige Beschäftigungen wie Studium und Vollzeitjob unter einen Hut zu bekommen. Dabei auch noch Freizeit zu haben und Zeit mit Freunden zu verbringen scheint ganz und gar unmöglich. An diesem Punkt sollten wir uns vielleicht nicht mehr zwischen Geld oder Freizeit, sondern zwischen Vollzeitjob oder Studium entscheiden. Leo G. studiert Elektrotechnik in München und hat nebenbei eine 20 Stunden Arbeitswoche. Er sagt gegenüber ZEITjUNG: „Ich würde auf einen Teil meiner Freizeit verzichten, um mehr Geld zu Verfügung haben. Wenn ich nicht studieren würde, wäre eine 20 oder 30 Stunden-Woche definitiv zu wenig für mich.“

 

Ein Blick in Richtung Rente zeigt: Genießen wir die junge Freiheit

 

Fest steht: Wir wollen zu viel sofort und am besten alles gleichzeitig. Was wir jetzt nicht haben können, wollen wir morgen umso mehr und das macht unsere Entscheidung nicht unbedingt einfacher. Die 30 Stunden Woche bei vollem Gehalt wäre definitiv eine gute Möglichkeit, um ausreichend Geld und Freizeit miteinander abzustimmen. Doch das Modell der Schweden liegt wie gesagt in weiter Ferne. Unser Tipp für ein Fünkchen Klarheit in der Entscheidungsmisere: Wir arbeiten später noch lange genug. Ein kleiner Blick in Richtung Rente reicht schon aus, um zu erkennen, dass wir unsere junge Freiheit mehr als nur als genießen sollten. Wir sollten sie sogar feiern, mit wenig Geld aber mit Zeit und Spaß. Und wenn wir das Geld für Wohnung und Auto immer noch nicht zusammenkratzen konnten: Ein bisschen Zeit haben wir ja noch und manchmal kann zuhause zu wohnen ja auch ganz schön sein.

 

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Bildquelle: Evan Clark unter CC0 Lizenz

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