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Diese Fotografin will zeigen, dass man auch nackt individuell sein kann

Die Fotografin Erica Simone zieht blank und läuft durch New York. Weil sie zeigen will, wie Mode unsere Individualität beeinflusst.

Concrete Jungle where dreams are made of – New York ist die Stadt der Träumer. Das Mekka für Künstler oder Schauspieler, Fotografen oder Drehbuchautoren. Die Stadt, die niemals schläft und vor allem auch: Die Stadt der Mode. Wenn Rollkragen und Stan Smith-Sneakers bei uns angekommen sind, sind sie in New York schon lange wieder weg vom Fenster. Wer im Big Apple modisch „up to date“ sein will, der muss sich beeilen. Vielleicht macht gerade das die unverwechselbare Atmosphäre dieser Stadt aus – die Menschen, die immer auf Achse sind, um ihren Träumen und Idealen ein Stück näher zu kommen und dafür womöglich ein bisschen weiter gehen als an anderen Orten.

Ein bisschen weiter gegangen für ihre Ideale ist auch Erica Simone. Sechs Jahre lang zog sie nackt durch New York und fotografierte sich dabei. Aber nicht, weil sie hauptberuflich auf dem Times Square arbeitet, sondern weil sie eine Mission hatte.

 

Kann man Individualität ausdrücken, wenn man nackt ist?

 

„Nu York: Self-Portraits of a Bare Urban Citizen“ heißt das Projekt der Fotografin, das man in einem Buch bewundern kann, und aus der Frage heraus entstand, wieso Mode eine so wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielt, wie es im Statement zu dem Projekt auf Ericas Seite heißt. „Kleider tun so viel mehr als nur unseren physikalischen Bedürfnissen gerecht zu werden. Was wir tragen, fungiert als eine stumme Sprache und ermöglicht es uns, zu vermitteln wer wir sind und wer wir in der Welt da draußen sein wollen. Mode offenbart unsere Stimmungen, unseren sozialen Status und baut eine Dynamik zwischen den Leuten auf. Das ist nirgendwo offensichtlicher als in den Straßen dieser Modehauptstadt, die wir New York nennen“.

Erica fängt an sich zu fragen, wie die Welt sich anfühlen würde, wenn man nackt ist, ohne die Macht oder Entmachtung durch Klamotten. „Was wäre, wenn wir nur unseren natürlichen Zustand hätten, um ausdrücken zu können, wer wir sind? Könnten wir unsere Hemmungen überwinden und vollkommen selbstsicher in unserer eigenen Haut werden? Wie würden wir uns anpassen oder unterscheiden? Könnte das Nacktsein in der Welt über sexuelle Konnotationen hinauswachsen und warum ist Nacktheit so tabu, dass sie gegen das Gesetz ist?“

Diese Fragen interessierten sie so sehr, dass sie loszog, sich auszuziehen und die Stadt nackt zu erkunden. Eine Antwort finden wollte sie aber nicht unbedingt. „Ich bin mir nicht sicher, ob diese Fragen überhaupt zu beantworten sind, solange sich nicht die ganze Welt ausziehen und auf diese Weise permanent interagieren würde. Für mich ist es interessant, mich selbst in all den verschiedenen Bildern zu sehen, völlig unterschiedliche Charaktere darzustellen und trotzdem nur einen Menschen zu erkennen. Wenn Leute verschieden gekleidet sind und unterschiedliche Charaktere darstellen, tendieren sie typischerweise dazu, immer unkenntlicher zu werden. In diesem Fall, wenn du nackt bist, bist du immer dieselbe Person, ungeachtet dem Szenario, in dem du dich befindest“, erzählt Erica ZEITjUNG.de.

 

„Die Leute sind es gewohnt, verrückte Sachen zu sehen“

 

Gedanken über unsere Welt, über Mode und unsere Gesellschaft, und wie das alles zusammenhängt, machen sich viele von uns. Sich dafür auszuziehen, und nackt durch die Stadt zu laufen ist aber doch ein mutiger Schritt, den wohl die wenigsten von uns wagen würden. Nun ist New York nicht München oder Berlin, man ist gewohnt an verrückte Leute. Nacktheit gehört zur Tagesordnung und Menschen wie der „Naked Cowboy“ sind beliebte Touristenattraktionen. Ist nicht trotzdem eine extreme Überwindungskraft nötig, um sich einfach so auszuziehen und durch die Straßen zu spazieren? Wie fühlt es sich an, das erste Mal nackt rauszugehen? „Das erste Mal als ich rausging, war es ziemlich aufregend, ich fühlte mich wie ein Kind, das herausgefordert wird, etwas Verrücktes zu tun. Es war ziemlich lustig. Über die Jahre bin ich viel entspannter geworden, was den ganzen Prozess angeht“, antwortet die Fotografin gegenüber ZEITjUNG.

Auf unsere Frage, wie die Leute auf so viel nackte Tatsachen in Alltagssituationen reagieren würden, sagt Erica: „Normalerweise lachen die Leute, sie machen sich aber nicht viele Gedanken darüber und ganz oft bemerken sie mich nicht einmal. Es ist New York City, die Leute sind an ihren Telefonen oder in ihrer eigenen Welt, und sie sind es gewohnt, verrückte Sachen zu sehen“.

Einen Teil der Erlöse aus ihrem Buch spendet Erica an die Wohltätigkeitsorganisation „Beauty For Freedom“ die Opfern und Organisationen im Kampf gegen Menschenhandel hilft.

„Sex Sells“ für einen guten Zweck – davor ziehen wir den Hut. Den Rest lassen wir aber lieber erstmal an.

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