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Lasst uns endlich über Vergewaltigungen sprechen!

Vergewaltigung und sexueller Missbrauch sind ein absolutes Tabuthema in unserer Gesellschaft. Das sollte sich ändern – gerade nach dem furchtbaren Übergriff in einer Münchner Universität.

Vergewaltigungen sind ein ernstes Thema, über das in unserem Alltag viel zu selten gesprochen wird. Uns Deutschen kommt da vielleicht noch die Oktoberfest-Zeit in den Sinn; der letzte Wiesn-Report der Münchner Polizei zählte 31 Sexualdelikte und eine Vergewaltigung, die zur Anzeige gebracht wurden. Diese Zahlen wirken fast etwas niedrig für das von Millionen Menschen besuchte Fest. Wirft man aber einen genaueren Blick auf die Statistiken der Polizei, so stellt man schnell fest, dass in den Wiesn-Reporten wirklich ausschließlich der Bereich des Festgeländes betrachtet wird, aber zum Beispiel nicht die Heimwege der Besucher. Zusätzlich gilt eine sexuelle Handlung zwischen einem bewusstlosen und einem bewusst handelnden Menschen für die Polizei nicht als Vergewaltigung, sondern ’nur‘ als Sexualdelikt. Woher kommt dieses Denken? Wieso war das Thema Vergewaltigung bis zum letzten Wochenende nicht als akutes Problem in unseren Köpfen gespeichert?

Vergewaltigung in der Uni-Toilette

 

Der Fall der Münchner Studentin, die am letzten Freitag in einer Toilette der Ludwig-Maximilians-Universität gewaltsam missbraucht wurde, rüttelt uns hoffentlich wach und zeigt uns, in was für einer Realität wir gerade leben. Die 25-Jährige wurde gegen 18 Uhr in der Toilettenkabine angegriffen, ein Tatverdächtiger wurde mittlerweile festgenommen. So grausam diese Tat auch war, sie zeigt uns, dass die Gefahr, Opfer einer solchen Tat zu werden, nicht nur auf einsamen Straßen oder fernen Ländern besteht. Sie ist allgegenwärtig und es wird Zeit, sie zu beachten.
Vergewaltigungen sind ein Verbrechen mit extrem hoher Dunkelziffer. Viele Opfer sind zu verängstigt oder beschämt, um Anzeige zu erstatten. Die Dunkelziffern entstehen nicht nur durch die Scham gegenüber anderen Menschen, häufig liegt es auch daran, dass die Täter keine Unbekannten sind. Sie sind Familienmitglieder oder Freunde des Opfers. Wenn es hierbei zur Anzeige kommt, hat das Opfer nicht nur mit Scham zu kämpfen, sondern zieht möglicherweiße den Hass des Täter-Umfelds auf sich. Um dem zu entgehen, bleiben viele lieber stumm. Es ist also so gut wie unmöglich, sich auf offizielle Statistiken zu verlassen.

 

Sexuelle Gewalt kommt vor. Und zwar häufig.

 

Dennoch liegt Deutschland nicht, wie wir vielleicht erwarten, im hinteren Drittel der Rankings, sondern unter den Top 20, die USA schafft es sogar unter die Top 5. Doch während sexuelle Gewalt in den USA ein großes und vor allem ein öffentlich diskutiertes Thema ist, wird es in Deutschland totgeschwiegen. Es sei denn, ein Flüchtling wird beschuldigt. Dann ist das Geschrei groß und alle fordern mehr Sicherheit für die Frauen Deutschlands. Was jedoch in solchen Debatten nie oder nur sehr selten auftaucht, sind Zahlen. Von den ca 6.200 gemeldeten Sexualverbrechen im Jahr 2013 wurden in ca. 1.700 Fällen ausländische Personen verdächtigt. Damit wurden allein in besagtem Jahr 4.500 Opfer von Deutschen misshandelt. In den USA wurden im selben Jahr über 173.000 Menschen Opfer sexueller Gewalt. Diese Zahlen sind erschreckend. Wie kann es sein, dass in unserer doch so aufgeklärten modernen Gesellschaft noch immer eine solche Gefahr für Frauen besteht?

 

 

Trotz der erschreckenden Zahlen gibt es keine groß angelegten Werbekampagnen oder ähnliches, um Aufklärung und Prävention zu betreiben. In vielen Köpfen hängen weiterhin veraltete Vorurteile fest. Die Frauen seien ja selbst Schuld. Denn wer nachts nur leicht bekleidet allein unterwegs ist, bettelt doch darum. Laut einer Umfrage der EU-Kommission finden 27 Prozent der Europäer Vergewaltigung in bestimmten Situationen vertretbar. Ganze 10 Prozent finden einen Übergriff okay, wenn die Frau sexy gekleidet war. Betrunkene Opfer gelten in Deutschland teilweise nicht einmal als vergewaltigt. Es wird von sexuellem Missbrauch an Widerstandsunfähigen gesprochen. Eigentlich sollten sie ja wissen, wie viel sie vertragen und kein ‚Nein‘ ist schließlich gleichzusetzen mit einer Zustimmung, oder? Gerade an den Universitäten der USA ist die Diskussion darüber, ab wann es sich um sexuelle Gewalt handelt, groß. Seit Monaten versuchen viele Frauen und einige Männer Licht in die Sache zu bringen. Die Amerikanerin Nafisa Ahmed versuchte im Sommer letzten Jahres über ihren Twitter-Account etwas Klarheit zu schaffen.

 

 

In einfachen 5$ – Metaphern erklärt sie sehr anschaulich, ab wann eine Handlung als sexuelle Gewalt gilt.

 

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