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Sorry, aber das Leben zu zweit ist einfach schöner

Alle Welt versucht einem einzureden, dass es das Wichtigste ist, frei, ungebunden und unabhängig zu sein. Unsinn! Ein Plädoyer für das Leben zu zweit.

 

Wenn eine Beziehung einen gewissen Punkt, ein gewisses „Alter“ erreicht hat, dann ist natürlich nicht mehr alles rosarot. Man kennt so ziemlich alle Macken seines Gegenübers, man stellt sich auf einander ein, es herrscht ein gewisses Maß an routiniertem Teamplay. Zumindest meistens. Und ja, ich finde Pärchen, die es nur noch als „wir“ und überhaupt nicht mehr als „ich“ gibt genauso nervig wie jeder andere normale Mensch. Mit Kerzenschein und romantischem Dinner kann ich weniger anfangen als mit Couch und Serienmarathon. Ich bin vielleicht nicht der geborene Romantiker, aber es gibt doch einen Haufen Dinge, die ich an einer – und gerade an meiner – Beziehung sehr schätze. Zum Beispiel ist es toll, dass da immer jemand ist, der sich die Zeit nimmt, wichtige Entscheidungen mit mir zu besprechen. Natürlich ginge und geht das auch mit sehr engen Freunden, oder auch mit den Eltern. Erster Ansprechpartner ist trotzdem immer er. Der Mann an meiner Seite. Weil ich mit ihm mein Leben verbringen, meine Zukunft planen will. Ich verbringe einfach mit niemandem lieber meine Zeit. Sorry – not sorry. Mit niemandem fühle ich mich so wohl, verstanden und aufgehoben wie mit und bei ihm. Nur: Neuerdings vermittelt man mir das Gefühl, dass ich mich dafür mal lieber ordentlich schämen sollte. Das wäre ja wohl total anti-feministisch! Eine Frechheit, in der heutigen Zeit. Wie man sich nur so abhängig machen kann!

 

Überholte Beziehungs-Klischees

 

Ich mag mein Leben und das beinhaltet nun mal meinen Partner. Er ist mein Fels in der Brandung, mein Halt, my one and only. Jetzt ist es aber so, dass der Trend zum coolen „Ich mach mein eigenes Ding“-Single oder zur hippen „Wir lassen uns alle Freiheiten der Welt“-Beziehungen geht. Eine klassische Beziehung ist ziemlich lahm, oldschool, irgendwie verbraucht. Erst kürzlich sagte Jennifer Aniston: „Wir sind komplett, mit oder ohne einen Mann, mit oder ohne einem Kind. Wir müssen nicht zwingend verheiratet oder Mütter sein. Wir können auch einfach so glücklich sein.“ Ja, das kann ich so absolut unterschreiben. Ganz sicher gibt es viele Menschen, die auch ohne Partner glücklich sind. Es ärgert mich nur, dass Singles denjenigen unter uns, die eine Beziehung haben, gerne lauthals unterstellen, wir würden ihnen wiederum unterstellen (jetzt wird es ein bisschen unübersichtlich), dass man nur in einer Beziehung glücklich  sein kann. Ich unterstelle niemandem irgendetwas! Wenn Du glücklich bist als Single, dein Leben in vollen Zügen genießt, feierst, Sex hast mit wem und so oft Du willst, dann ist das absolut in Ordnung für mich. Nur: Warum werde ich dafür verurteilt, dass ich lieber zu zweit als alleine bin? Ist das Neid? Oder ein überholtes Beziehungs-Klischee?

 

Wer hat eigentlich das Recht, mir vorzuschreiben, wie ich lieben soll?

 

Es gab tatsächlich mal eine Episode in meinem Leben, in der ich Single war und ganz ehrlich – das war die meiste Zeit über auch echt toll! Ich habe gefeiert, hatte One-Night-Stands, habe nächtelang durchgetanzt und jeden Blödsinn mitgemacht. Nur wer kennt sie nicht, die Sonntagsdepression? Man liegt völlig verkatert auf der Couch/im Bett/vor der Kloschüssel und versucht den letzten Abend zu rekapitulieren. Mit wem habe ich geknutscht? Wie viel habe ich eigentlich getrunken? Wem habe ich dämlich-besoffene Nachrichten geschickt und hey, wo ist eigentlich mein BH? Ganz ehrlich, so toll fand ich das nicht.

Abgesehen davon kann ich – wenn es die Kondition in fortgeschrittenem Alter denn zulässt – auch heute noch mit meinen Mädels die Nacht durchtanzen und mich hemmungslos betrinken. Nur das Knutschen und die One-Night-Stands lasse ich dann eben weg. Geht auch, muss man mal versuchen. Und da gibt es noch einen Pluspunkt: Man kann mit Clique und Freund gleichzeitig weggehen und spart sich so den ganzen Aufriss-Stress.

 

Warum ich mir trotzdem selbst genug bin

 

Trotzdem, der gesellschaftliche Druck, auch alleine vollständig, komplett und sich selbst genug zu sein, wiegt tonnenschwer. Nicht erst seit gestern höre ich Sprüche von Freunden à la. „Du musst echt mal alleine klarkommen. Was machst Du denn, wenn Dein Freund mal für ein halbes Jahr ins Ausland geht?“. Ehrlich? Heulen. Ein ganzes halbes Jahr wahrscheinlich. Nein, ganz so dramatisch ist es auch nicht, aber es wäre schon eine ziemliche Herausforderung für mich. Weil ich mein Leben und die darin enthaltene Liebe einfach sehr, sehr mag. Ich weiß, dass es Paare gibt, die seit Jahren eine erfolgreiche Fernbeziehung führen. Finde ich toll für die, ehrlich! Aber bitte, es muss doch möglich sein, als erwachsene Frau dazustehen und zu sagen: „Nö. Ist nichts für mich.“ Liebe will gelebt werden, jeden Tag. Und das funktioniert für mich einfach nicht per Skype und Whatsapp. Auch wenn es kein Problem ist, wenn mein Freund einige Woche alleine verreist. Dann vermisse ich ihn zwar, liege deshalb aber auch nicht – um das Klischee zu bedienen – heulend, mit Schokolade in der einen und Fernbedienung in der anderen Hand auf dem Sofa und schaue Schnulzenfilme. Nur weil ich einen Partner habe, bedeutet das doch noch lange nicht die völlige Selbstaufgabe. Und trotzdem stehe ich dazu, dass ich viel lieber zu zweit bin als alleine. Nicht nur alleine sein ist eine Entscheidung, auch ein Leben zu zweit ist es.

Dabei geht überhaupt nicht darum, dass ich ohne Partner nicht leben kann. Die Sache ist, dass ich mein Leben viel lieber mit ihm lebe. Mit ihm ist mein Leben einfach noch besser. Mit ihm machen mir Sachen einfach noch mehr Spaß. Und außerdem kann dieses Exemplar verdammt gut kochen, das nur mal so am Rande.

 

Modernes Schubladendenken

 

Der Single wirft dem Nicht-Single also mangelnde Selbstverwirklichung vor. Der Nicht-Single dem Single wiederum, dass er nicht komplett wäre. Mal im Ernst, ist das nicht ein bisschen absurd? Lieber Single, von mir aus machst du was du magst. Sei wild, frei, hab deinen Spaß. Nur bitte liebe Single-Polizei, lasst mir auch meinen. Zu zweit, kuschelnd auf der Couch, Serienmarathon. Denn stellt euch vor, auch bei Paaren gibt es ab und an noch Netflix & Chill.

 

 

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Bildquelle: Wyatt Fisher unter CC BY-SA 2.0

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