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„Deine gute Laune nervt.“ – Wenn Freunde sich nicht mit dir freuen

Freude ist gleich doppelt so erfreulich, wenn man sie mit jemandem teilen kann. Das ist manchmal leider leichter gesagt als getan.

Es ist ein beängstigend guter Montagmorgen und ich wache schon mit einem Grinsen im Gesicht auf. Normalerweise verfalle ich an diesem Tag in meine typische und allseits bekannte Montagsdepression, aus der ich meist erst abends wieder herausschleiche. Heute scheint das irgendwie anders zu sein, denn ich bin erstaunlich gut aufgelegt und das ist derzeit gar keine Seltenheit, denn ausnahmsweise läuft in meinem chaotischen Leben einmal alles rund. Ein ganz ungewohntes, aber doch sehr gutes Gefühl, wenn man ausnahmsweise lange überlegen muss, an welchem Montag man das letzte Mal wirklich schlecht gelaunt war. Scheinbar fühle ich mich derzeit ziemlich wohl in meiner Haut und bin genau an dem Punkt, an dem ich aktuell stehen möchte. Genau das teilt man gerne mit seinen Liebsten. Zumindest dachte ich das bis zu jenem Nachmittag an eben diesem überraschend schönen Montag.

 

Ein kleiner Tritt in die Magengrube gefällig?

 

Ich treffe mich mit einer Freundin im Café um die Ecke und entscheide mich, das kleine Stückchen zu Fuß zu gehen. Mit Musik in den Ohren schlendere ich durch die Stadt und nicht einmal die dunkle Gewitterwolke, die sich ziemlich frech vor die Sonne schiebt, kann meine Laune trüben. Schon aus der Ferne sehe ich meine Freundin an einem kleinen Tisch sitzen und betreten in ihr Handy starren. Auf ihre erste Frage „Was gibt’s Neues?“ habe ich tatsächlich ausnahmsweise richtig viele gute Neuigkeiten zu berichten und merke selbst, wie sich ein fettes Strahlen auf meinem Gesicht breit macht. Während ich ihr in die Augen schaue, wird mir allerdings bewusst, dass man wohl nicht mit allen Freunden gute Nachrichten teilen sollte. Und dass man ganz und gar nicht erwarten darf, dass sich alle Freunde für einen freuen können. Nach meinem Redefluss ist alles, was sie zu sagen hat ein knappes: „Wow, für einen Montag bist du viel zu aufgedreht. Das ist anstrengend.“ Ein kleiner Tritt in die Magengrube gefällig? Irgendjemand hat scheinbar ohne mein Wissen eine Regel erfunden, dass man mit manchen Menschen wohl nur Liebeskummer und anderweitig schlechte Nachrichten teilen sollte.

 

Und schon ist der Hass wieder da

 

Ich sitze ihr etwas niedergeschlagen gegenüber und bin zugegebenermaßen etwas enttäuscht, dass sie sich ganz und gar nicht für mich und meine guten Neuigkeiten freuen kann. In ihrem Leben läuft es nicht sonderbar glatt, wie sie mir im Laufe des Nachmittags immer wieder erzählt. Oder doch eher vorjammert? Das erklärt auch, wieso sie einfach aktuell keinen Nerv für positive Meldungen aus dem Leben anderer ertragen kann. Auf dem Heimweg ist von meiner guten Laune nichts mehr übrig und der Montags-Hass überkommt mich langsam. In Gedanken nehme ich meine Freundin immer wieder in Schutz: Ihr geht es schlecht, sie kann sich einfach gerade nicht für mich freuen, das ist in Ordnung. Ist es das wirklich?

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