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Von Freundschaft und Beziehung: Warum ich ständig ein schlechtes Gewissen habe

Unsere Autorin will es immer allen Recht machen. Resultat: Ein andauernd schlechtes Gewissen. Über den Spagat zwischen Beziehung und Freundschaft.

Ich will alles: Will meinen Mädels die beste Freundin sein, will meine Beziehung rocken, will neue Leute kennenlernen und aktuell muss ich mich ja auch noch selbst kennenlernen. Spätpubertäre Selbstfindungsphasen bedingen das. Hört sich nach den ganz normalen Aufgaben im Leben an? Ja, mag schon sein. Ich bin trotzdem überfordert. Ist ja nicht so als wäre ich hauptberuflich sozialer Mensch, die meiste Zeit bin ich mit Dingen beschäftigt, die mich im Arbeitsleben voran bringen… oder halt meine Geldbörse füllen. Eigentlich auch ganz normal? Ach, lasst mich doch in Ruhe.

 

Bin ich denn eine Rabenfreundin, wenn ich meinen Boy bevorzuge?

 

Oder ist da draußen vielleicht jemand der oder die mich versteht? Ich probiere es mal, teile meine Gedanken. Beziehungsweise mein schlechtes Gewissen, darum geht’s mir nämlich eigentlich. Wie schon gesagt, ich wäre gerne alles auf einmal. Freundin, feste Freundin, ich selbst und manchmal auch jemand anderes. Nicht so einfach in einem einzigen Leben. Oft stoße ich an die Grenzen meiner Kapazitäten der perfekten Freundin, weil ich eben nicht teilbar bin, weil ich mich manchmal für das ein oder andere entscheiden muss. Egal welche Entscheidung ich treffe, das kleine arschgemeine schlechte Gewissen ist mein ständiger Begleiter. Entscheide ich mich für den Abend mit den Mädels, habe ich ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Freund. Entscheide ich mich für den Abend mit dem Freund, bin ich eine Rabenfreundin gegenüber den Mädels. Das Problem ist: Die Zeit. Ich will meine Freizeit (mindestens) zwei teilen. Heißt, gerecht verteilen zwischen dem Mann und den Frauen in meinem Leben. Manchmal ist es am einfachsten, alles in einen Topf zu schmeißen. Dann verbinde ich Mann und Mädels. Geht auch, die mögen sich ja alle. Aber auf die Dauer funktioniert das nicht. Denn Mädels, oder zumindest ich, zerwälzen Probleme bis nichts mehr von ihnen übrig ist. Wir reden über tieften Herzensthemen und beratschlagen einander. Nicht immer, aber oft. Und wir machen das nicht, wenn mein Freund daneben sitzt. Ist unsere eigene Girlzone, da hat eigentlich kein Mann etwas verloren. Und genauso ist es in einer Beziehung super wichtig, genug Zeit für Zärtlichkeit zu haben. Ist selbsterklärend, dass meine Freundinnen da nicht dabei sein wollen. Jede dieser beiden Beziehungen braucht ihren individuellen Raum.

 

Den Spieß umdrehen: Wie geht es denn mir als Freundin?

 

Mein schlechtes Gewissen ist zwei Rubriken zuzuordnen: Freundinnen, die in einer Beziehung sind und Single-Freundinnen. Die, die selbst in einer Partnerschaft sind, verstehen das schon. Darauf vertraue ich. Klar, vergessen will ich sie auch nicht, aber das eigentliche richtig fiese schlechte Gewissen habe ich den Single Freundinnen gegenüber. Weil ich auf keinen Fall die Freundin sein will, die ihre Mädels für einen Mann hängen lässt. Und weil ich nun einmal ahne, dass diese sich schneller vernachlässigt fühlen. Ich war auch schon öfter die Single-Freundin und weiß wie es ist, wegen eines Mannes versetzt zu werden. Na, wie ist es denn? Eigentlich in Ordnung. Ja, ich verstehe doch, dass es viel Zeit beansprucht in einer Beziehung zu sein. Und das habe ich jeder meiner Freundinnen mehr als vergönnt, ich wünsche es ihnen natürlich, nach wie vor. Ich hatte lediglich ein Problem damit, wenn die Freundin nicht mehr alleine anzutreffen war. Oder wenn sich jede Entscheidung erst nach den Herren der Schöpfung richtet, danach nach dir als Freundin. Und so ist es nach wie vor, ich rate einer Freundin, sich wieder in ihren Beziehungsstrukturen zu lockern, wenn sie zu sehr vereinnahmt ist. Ich wünsche mir von ihr, mich wieder zu sehen und für wichtig zu befinden, wenn ich mich vernachlässigt fühle. Mir geht ein Licht aus: Das fiese schlechte Gewissen, dass habe ich aber doch, weil ich mir sehr viele Gedanken darüber mache, wie ich möglichst niemanden vernachlässige. Ich gebe mir Mühe, versuche ausgeglichen meine Zeit zu verteileen, so wie die Prioritäten liegen. Aber das letzte was ich will, ist jemanden links liegen zu lassen.

 

Druck, den man sich selbst macht

 

Also warte mal: Wer urteilt da jetzt eigentlich? Wer ist verantwortlich für das schlechte Gewissen? Werfen mir meine Freunde an den Kopf, dass ich nie Zeit für sie habe, weil ich den Mann vorziehe? Oder andersherum – beschwert sich Prinz Eisenherz, weil die Mädels immer Vorrang haben? Nein, eigentlich nicht. Ich bin es selbst, ich urteile hart und bedingungslos. Nie ist eine Entscheidung ganz und gar richtig, immer gibt es etwas daran auszusetzen. Und es ist geschürt von einer Angst. Die Angst Fehler zu machen. Weil, haltet euch fest, ich gerne alles möchte: Meinen Freunden die beste Freundin sein und meine Beziehung rocken.

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