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Davon wie intensiv es ist, demisexuell zu sein

Sexualität kennt eben keine klaren Grenzen. Dafür aber klare Liebe!

Als wir in die Pubertät gekommen sind, ging das Hormonchaos plötzlich los. Auf einmal haben wir entdeckt, dass das andere Geschlecht doch nicht so blöd ist, wie wir immer gedacht haben. Ganze Teenie-Buchreihen handeln davon, wie sich ein Mädchen unsterblich in den süßen neuen Typen aus der Parallelklasse veliebt. Überhaupt ist Liebe auf den ersten Blick ja eh das beliebteste Thema in Filmen, Serien und Literatur: man läuft sich zufälllig über den Weg und tada, Traumfrau oder -mann gefunden. Und in der Realität? Gut, Liebe auf den ersten Blick ist jetzt vielleicht nicht so wahrscheinlich, aber mal ganz ehrlich – zumindest sexuelle Anziehung auf den ersten Blick kennen wir doch eigentlich fast alle. Auf der Straße sehen wir jemanden, den wir heiß finden, auf einer Party lernen wir jemanden kennen, mit dem wir wenig später knutschend in einer Ecke stehen und mit dem wir später dann vielleicht sogar nach Hause gehen.

 

Asexualität: So einfach ist das dann doch nicht

 

Es gibt aber auch Menschen, für die sind solche Gefühle völlig fremd. Von Asexualität hat man vielleicht schon mal etwas gehört. Im Allgemeinen glauben die meisten, dass Asexuelle sich vor allem das mit Sexualität zu tun hat, ekeln; sei es Küssen, Sex an sich oder der Anblick von nackten Menschen. Das ist aber nicht ganz richtig, denn Asexualität ist eher ein Spektrum: während die gerade beschriebenen Aversionen tatsächlich auf einige Asexuelle zutreffen, gibt es auch Asexuelle, die zum Beispiel kein Problem damit haben, jemanden zu küssen. Außerdem muss man unterscheiden zwischen Asexualität und Aromantik. Asexuelle haben kein Bedürfnis nach sexuellen, körperlichen Kontakten, sie können sich aber verlieben und dann eine Beziehung führen. Aromantikern hingegen fällt der Gedanke an eine romantische Liebe, also an ein Mögen, das über eine Freundschaft hinausgeht, schwer. Sex ist für sie aber manchmal okay. Natürlich gibt es auch Personen, die zugleich aromantisch und asexuell sind.

 

Demisexuelle oder die Menschen dazwischen

 

Sexualität ist aber nicht nur schwarz und weiß. Man ist nicht entweder asexuell oder allosexuell (also „normal“). Zwischen Asexualität und Allosexualität gibt es einen Zwischenbereich, den man manchmal auch „graue“ Sexualität nennt. Geläufiger ist allerdings der Begriff Demisexualität. Für Demisexuelle ist es völlig undenkbar, jemanden „einfach so“ sexuell attraktiv zu finden. Sie können sich zwar verlieben und sexuelle Anziehung verspüren – aber sie brauchen dafür Zeit. Viel Zeit, in der sie jemanden kennenlernen können. Erst dann ist es ihnen möglich, eine sexuelle Beziehung anzufangen. Daneben gibt es auch demiromantische Menschen, die, um eine romantische Paarbeziehung führen zu können, die andere Person erst sehr gut kennen müssen und eine starke emotionale Bindung zu ihnen brauchen.

 

Wenn aus Freundschaft Liebe wird

 

Die Ursache für Demisexualität wird manchmal auch auf sogenannte sekundäre sexuelle Anziehung zurückgeführt. Während primäre sexuelle Anziehung auf offensichtliche Dingen wie dem Aussehen oder der Stimme basiert, braucht es für sekundäre Anziehung charakterliche Eigenschaften wie zum Beispiel Humor. Manche Forscher gehen davon aus, dass Demisexuelle nur sekundäre sexuelle Anziehung kennen. Deswegen ist es bei Demisexuellen meist auch so, dass sie sich in Freunde verlieben – verständlich, schließlich kennen wir kaum jemanden so gut wie unsere engsten Freunde.

 

Wie viele Menschen sind demisexuell?

 

Demisexualität sagt natürlich nicht darüber aus, welche sexuellen Interessen man hat. Demisexuelle können genauso homo, hetero, bi oder etwas anderes sein wie alle anderen. Wie viele Menschen genau demisexuell sind, ist noch nicht genau erforscht. Allerdings geht man davon aus, dass zwischen ein und drei Prozent der Bevölkerung asexuell sind – in Deutschland wären das bei drei Prozent fast 2,5 Millionen  Menschen. Wahrscheinlich ist auch Demisexualität weiter verbreitet, als man auf den ersten Blick denkt. Trotzdem fehlt oft noch die Akzeptanz: Selbst, wenn man vielleicht gerade erst 18 ist, bekommt man doch schon Fragen zu hören wie: „Warum hattest du denn noch nie einen Freund? Jetzt wirds aber mal Zeit!“. Das baut Druck auf, und führt vielleicht dazu, dass Demisexuelle etwas tun, was sie vielleicht gar nicht möchten – dass sie zu früh Sex haben zum Beispiel. Deswegen ist es wichtig, dass mehr Leute von Demisexualität erfahren, so dass sie verstehen können, was in ihrem Gegenüber vorgeht. Im Prinzip ist es dann wie bei allem: Fragt nach, redet miteinander!

 

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Titelbild: Shelby Deeter unter CC0 Lizenz

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