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Hassobjekt: Leute, die ständig rumjammern

Was hat es damit auf sich, dass wenn wir nach unserem Tag gefragt werden, wir sofort loslegen, mit allem was schief gelaufen ist? Wieso jammern wir so viel?

Wir alle kennen Sprüche wie „Wer schön sein will, muss leiden“, „Nur unter Druck entstehen Diamanten“ oder „Die Triebfeder der Kunst ist nicht das Glück, sondern das Leid“. Nun gut, wir müssen für die Dinge arbeiten, die wir erreichen wollen und das kann schon mal ziemlich hart seit. Für Dinge, die nicht funktionieren und von Zeit zu Zeit auch frustrieren – nur warum müssen wir es immer gleich so schwer haben? Warum leiden wir so? Was hat es damit auf sich, dass wenn wir nach unserem Tag gefragt werden, wir sofort loslegen, mit allem was schief gelaufen ist? Wieso nehmen wir das Unglück so persönlich?

 

Die Verantwortung liegt bei uns

 

Wir können alles schaffen, wir können alles sein und wir können alles haben – vor allem alles haben – und wenn nicht, dann nicht, weil es uns an Möglichkeiten mangelt, sondern an Disziplin. Wir haben aufgehört an Fortuna zu glauben, den Zufall aufgegeben und das Pech verloren. Im Gegenzug haben wir etwas anderes in die Hand gedrückt bekommen: Eigenverantwortung. Die Verantwortung für Erfolg, Reichtum, Anerkennung und Liebe liegt jetzt bei uns, genau neben der Verantwortung für Misserfolg, Armut, Verachtung und Einsamkeit. Daher rührt unsere große Angst vor Verurteilung und Demütigung.

 

Im Sumpf chronischer Unzufriedenheit

 

Doch ohne genau zu wissen, was unser Leid lindern und das Jammern verstummen könnte, haben wir eine enorme Vorstellungskraft entwickelt, die weit über das Gesehene oder Erlebte hinausgeht. Und die Werbung treibt uns immer tiefer in den Sumpf chronischer Unzufriedenheit, bei den Bestrebungen noch mehr zu bekommen. Im Zuge dessen verlernen wir, die gegenwärtigen Dinge zu genießen und reisen gedanklich zwischen Nostalgie und Zukunftsangst hin und her. Dabei übersehen wir das, was uns so vermeintlich glücklich machen könnte und sabotieren uns auf halber Strecke selbst.

Dieser destruktive Zustand des Rumjammerns lähmt uns, friert uns ein. Wir haben Frieden geschlossen mit all den dunklen Szenarien, mit denen wir aufwachsen und uns tagtäglich konfrontiert sehen. Wir kennen das Glück überhaupt nicht. Der Mensch als Gewohnheitstier bleibt gerne bei den Dingen, die ihm vertraut sind, sodass er in den Momenten dieser uns nur allzu fremden großen Glückseligkeit sofort vom angsteinflößenden Gefühl des Kontrollverlustes erfasst wird. Also suhlen wir uns lieber in unserem Elend, blockieren uns selbst durch unsere eigene Unzufriedenheit, weil das etwas ist, was uns geläufig ist.

 

Wir verpassen die wundervollsten Augenblicke

 

Glücklich sein setzen wir eher gleich mit der Gewissheit um die Gefahr, dieses Glück auch wieder zu verlieren, als dass wir diesen Moment ungehemmt genießen könnten. Wir belächeln sorglose Menschen als Träumer oder Toren und jene die sich ihrer Sache sicher sind als arrogant oder überheblich, während wir uns selbst einer erbarmungslosen Selbstkritik unterziehen, die nicht zu selten in schweren Depressionen münden kann. Mit unserer zwanghaften Fokussierung auf alles, was nicht gut läuft, an uns nicht stimmt, uns misslingt oder schief läuft sind wir jedoch in guter – oder besser gesagt zahlreicher – Gesellschaft. Im Glauben daran, es würde uns besser gehen, wenn wir über all die Tragödien in unserem Leben reden, verpassen wir zwischen den ellenlangen Jammermonologen die wundervollsten Augenblicke.

UC Davis Studien der Psychologischen Fakultät der New York University zeigen, dass allein das fünfminütige Aufschreiben von positiven Erlebnissen des Tages zu einer signifikanten Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens und der Gesundheit führt und ja – auch glücklicher macht. Ich will damit nicht sagen, wir sollten nicht über das reden, das uns bedrückt, wir sollten uns nur nicht von allem bedrücken lassen. Denn letzten Endes bleibt Glück immer eine Frage der Bewertung.

 

Wir sind nicht alleine

 

Auf dem Weg dahin müssen wir uns vor allem in einer Sache üben: Geduld. Schließen wir doch endlich Frieden, mit der Tatsache, dass es manchmal verdammt schwer ist, die Dinge zu bekommen, die wir wirklich wollen. Zeigen wir Barmherzigkeit mit uns selbst und unseren Mitmenschen um Trost zu finden, nehmen wir einander in den Arm, denn wir sind mit der brutalen Realität unserer irdischen Existenz nicht alleine.

Wir können das Wetter nicht ändern oder unsere schlecht gelaunten Arbeitskollegen. Genauso wenig können wir etwas gegen den Geruch der Person neben uns im Fahrstuhl unternehmen. Wir können unseren Chef nicht plötzlich in ein empathisches Wesen verwandeln oder unsere Mitmenschen dazu bringen, uns die Wünsche von den Augen abzulesen. Wir können nicht immer schöner, stärker oder besser sein. Uns bleibt nichts anderes, als die Bewertung dieser uns sinnloserweise herunterziehenden Situationen zu ändern und uns nicht in ihrer Tragik zu verlieren.

 

Alles nur halb so schlimm

 

Ich schlage vor, wir legen eine Jammerpause ein, lassen die Klagerufe einmal Klagerufe sein und konzentrieren uns auf den Frühling, der verheißungsvoll vor der Tür steht, die Sonne ,die jetzt länger scheint und die Krokusse, die mutig durch die totgeglaubte Erden brechen. Denn am Ende des Tages ist doch alles nur halb so schlimm.

 

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